Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 10 (August 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 36 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Sachliche Handarbeiten Fast klingt es wie ein Widerspruch, denn Handarbeiten sind wohl in hohem Maße dazu geeignet, modernen Räumen das allzu Kalte und zu Strenge zu nehmen. Die Handarbeit ist mit der Zeit gegangen. Sie ist klar im Ausdruck geworden, ruhig in den Linien, wundervoll abgestimmt in den Farben, kurz, sie entspricht restlos unserem heutigen Geschmack. Zu den schönsten modernen Handarbeiten zählt die Brügge-Spitze, die an Techniken erinnert, die uns aus Großmutters Zeiten her von der Dichtel-Spiitze bekannt sind. Sie ergibt besonders wirkungsvolle, dekorative Mittelstücke für moderne Vorhänge, die aus frei fallendem, glattem Tüll oder feinem Batist gearbeitet werden. Im gleichen Stil lassen sich dann Decken und Sets dazu abstimmen. Die Anfertigung ist überaus einfach. Die Herstellung der Brügge-Spitze ist eine richtige sommerliche Handarbeit, denn die Bändchen, welche nachher die Muster ergeben, werden nach Metern fortlaufend gearbeitet. Eine Arbeit aber, die nur aus einem kleinen Knäuel üarn und der Häkelnadel besteht, läßt sich überallhin mitnehmen. Hat man dan.i die nötigen Mengen der Bändchen gearbeitet — für den hier reproduzierten Vorhang beispielsweise sind ungefähr 27 Meter notwendig - - so kann man dann an langen Winterabenden die Verbindungen herstellen. Das geschieht auf die Weise, daß die Bändchen auf ein Muster, für w elches die Vorlage auf Leinenpapier fertig käuflich ist, aufgeheftet werden. Die Rundungen sind durch Einziehen der Bändchen zu erzielen, die Verbindungen werden in Spachtel- oder Richelieu- Arbeit ausgeführt. Bei den Decken ist dem persönlichen Geschmack weitester Spielraum gegeben, etwa wie das Photo zeigt, die Zusammenfügung von Brügge-Spitze und Gobelin oder als Umrahmung von glattem oder gemustertem Netzstoff. Die Bändchen sind rasch und einfach nach folgendem „Rezept" auszuführen: Elf LuftmasChen werden angeschlagen; in die fünfte Luftmasche ist eine feste Masche zu häkeln; dann folgen zwei Luftmaschen; eine Luftmasche wird ausgelassen, demnach sticht die nächste feste Masche in die siebente Luftmasche. In dieser Weise wird bis zum Schluß gearbeitet, so zwar, daß immer zwei Luftmaschen angeschlagen werden und eine feste Masche in die nächstfolgende Luftmasche sticht. Am Rand sind vier Luftmaschen zu häkeln, dann wird ivmgedreht und in das erste Lückerl eine feste Masche gestochen. Wieder folgen zwei Luftmaschen und in jedes Lückerl eine feste Masche. Den Rand bilden immer vier Luftmaschen. Handarbeiten sind ein wertvolles Beruhigungsmittel. Man verliert die Nerven — und das haben wir doch alle manchmal recht notwendig — wenn man ein solches kleines Kunstwerk in der Hand hält und lange nachher besitzt man dann noch die beglückende Gewißheit, ein so schönes Stück selbst angefertigt zu haben. Ein wenig Kosmetik: Füße wollen gepflegt sein! Gepflegte Füße und Beine gehören nicht nur zu den besonderen Reizen der Frau, sie sind auch für das Allgemeinbefinden von größter Bedeutung. Schmerzende Füße können sich zu unerträglichen Qualen steigern. Sie graben Falten in das Gesicht, sie drücken die Stimmung nieder. Anderseits sind schmerzende, vor allem kalte Füße oftmals ein Zeichen, daß der Organismus nicht richtig funktioniert. Grundursache für kalte Füße kann schlechte Verdauung und unzweckmäßige Ernährung, aber auch Blutarmut bilden. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß wir unsere Hände mehrmals im Tage sorgfältig waschen. Ebenso wichtig aber ist es, daß die Füße mindestens einmal des Tages in warmem Seifenwasser gewaschen und mit guter Bürste abgerieben werden. Dadurch wird die kranke Haut entfernt und die gesunde Epidermis kann atmen. Täglich eine kurze Zeit bloßfüßig zu gehen und mit den Zehen die verschiedensten Spreiz- und Bewegungsübungen zu machen, ist von größter Wichtigkeit und für die Füße ein wahres Lebenselixier. Die Füße müssen nach dem Bade sehr gut abgetrocknet und sollten noch für kurze Zeit der Luft ausgesetzt werden. Besonders zwischen den Zehen müssen die Füße sehr gut getrocknet sein, da sich hier sonst sehr leicht Ekzeme bilden. Auf diesem Gebiet wird vor allem in den Strandbädern viel gesündigt. Die Füße müssen unbedingt, bevor sie wieder bekleidet werden, sorgfältig gereinigt sein, denn der Sand, der in den Hautfalten verbleibt, kann sonst leicht die Ursache für schwere Hauterkrankungen geben. Daß besonders im Sommer die Schuhe und auch die Strümpfe nicht zu eng sein dürfen, gehört zu den wichtigsten Forderungen moderner Fußhygiene, da sonst die natürliche Transpiration des Fußes erschwert wird. Die Strümpfe müssen vor allem in der Fußlänge den Zehen genügend Spielraum bieten, denn auch zu enge Strümpfe können schwere Schädigungen verursachen. Fußschweiß ist sofort in ernstester Weise zu bekämpfen, weil dadurch die Oberhaut an den Zehenspitzen und den Fußsohlen erweicht und rissig wird und jedes Auftreten schmerzhaft empfunden werden kann. Sehr häufige Bäder mit Zusätzen von Alaun, Eichenrinde oder Formalin schaffen leicht Abhilfe. Als wirksam erweist sich die Isolierung der Hautflächen von einander, was durch die Verwendung von gutem Eußstreupuder erreicht wird. Die Fußbekleidung soll im Sommer leicht und luftig sein. Die Mode gestattet uns Sandalen und Sandaletten und wenn wir Gelegenheit haben, sollten wir diese über dem bloßen Fuß tragen, denn auch die Füße wollen Licht- und Sonnenbäder nehmen. Die Mode unserer Zeit ist praktisch und vernünftig wir müssen es nur verstehen, sie richtig zu verwerten. 36