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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-08-01 · 10 (August 1934) · p. Seite 21

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
10 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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Dr. Gisa Frankel, Lemberg: papierschnitte bei den polnischen Juden iiiiiimmmmiHiimuiMiimiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiii Die Papierschnitzerei war einst bei den polnischen Juden sehr verbreitet. Die Papierschnitte weisen verschiedenartigste Formen auf, sprechen vom Kunstsinn des Volkes und verdienen unzweifelhaft eine gebührende Stellung in der jüdischen Volkskunde. Die Motive dieser Papierschnitte sind zahlreich. Als Hauptmotiv begegnen wir meistens in der Mitte die Menorah oder die Tafeln mit den zehn Geboten, eventuell die Thorarollen. Darüber oft eine Krone oder der Davidschild. Ringsherum gruppieren sich erst Tier-, Pflanzen-, seltener auch geometrische Motive. Tiermotive gehören meist auch zur Inhaltsillustration. Sehr oft begegnen wir dem Löwen, Hirsch und Adler, die wir symbolisch deuten können, da sie auch im jüdischen Schrifttum oft erwähnt werden. Ein beliebtes Motiv sind verschiedenartigste Vögel, auch verschiedene Blumen, die manchmal das alte Motiv des Lebensbaumes bilden. Auf manchen Papierschnitten sehen wir die Sinnbilder der zwölf jüdischen Stämme oder die Zeichen des Tierkreises. T. ^>W%$!FS**^,T&*1^^ "41 'i^W-Wjk^m Wmimlmm /.f^-jr/il^VAvM^ \\\<<<<<y:K<CK<-S'jr «MAViWA»^1 J .1 Sw^^W/Ä ir-JWwrtKwwi _ mm^M^mä^imm^. Misrach Schiwissi Die schönste und bedeutendste Form der Papierschnitte ist der Misrach, der an der Ostwand der Privat- oder Bethäuser angebracht wird. Er ist fast immer eingerahmt, meistens unter Glas. Charakteristisch sind die Aufschriften, denen wir fast immer auf den Misrachs begegnen. Sie enthalten verschiedene Sentenzen, dem alten jüdischen Schrifttum entnommen. Die Misrachs, die in den Bethäusern vor dem Pult des Vorbeters angebracht sind, werden gewöhnlich „S c h iwissi" genannt vom ersten Worte der fast immer auf diesen Misrachs begegneten Aufschrift: „Schiwit-i Adonai l'negdi tamid." (Psalmen XVI. 8.) Die Misrachs sind aus weißem Papier verfertigt, oft mit Farben bemalt. Den zweiten Typus bilden die Schewuoslech und Reiselech, die zu Schewuoth (Pfingsten) an die Fensterscheiben geklebt wurden. Sie weisen schon eine bedeutend kleinere Form auf, weil sie den kleinen Fensterscheiben angepaßt werden mußten. Die Benennungen: „Schewuoslech" (von „Schewuoth") und „Reiselech" („Rosette", die im Volksmunde zur Bezeichnung einer ornamentalischen Verzierung dient) wurden abwechselnd als gleichbedeutend benützt. Mit „Reiselech" wurde jedoch vorwiegend die runde, mit „Schewuoslech" die viereckige Form dieser Schnitzerei bezeichnet. Außer den oben erwähnten typischen Motiven finden wir hier eine besondere Gruppe der Schewuoslech, deren Motiv Soldatenfiguren bilden. Dieses Motiv entsprach wahrscheinlich der Phantasie der Chederschüler und deswegen hat es sich so verbreitet. Die Schewuoslech wurden auch, wie die Misrachs, aus weißem Papier verfertigt, jedoch selten bemalt. Als dritte, sehr verbreitete Form dürfen wir die Simchat-Thora-Fähnchen betrachten, die für Kinder aus farbigem Papier verfertigt werden. Während der „Hakafoth - Feier" nehmen im Rundgang mit den Misradi 21

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