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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-06-01 · 8 (Juni 1934) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
8 (Juni 1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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Univ.-Prof. Dr. Max Eisler, Wien: Eine Herzl-Halle fü Tel-Aviv Siehe die Bilder auf der folgenden Seile Im Erdgeschoß eines Hauses in der Rathausstraße in Wien ist jetzt eine! H e r z 1 - A u s s t c 11 u n g zu sehen. Eine schlichte, aber rührende Ausstellung. Da hat durch Jahre eine Pietät, die Liebe ist, Erinnerungen an den großen Mann zusammengetragen, Schriftstücke, Photos und Bücher, und läßt nun aus diesen unscheinbaren Stücken ein sehr intimes, sehr bewegtes Bild dieses Mannes entstehen, der mit all seinem Geist, seiner Phantasie und Tatkraft doch nur ein reines, starkes Herz gewesen ist und den wir vor allem deshalb gerade heute, in dieser unseligen Zeit der unfruchtbaren Politisiercr, so gut verstehen, so sehr vermissen. An einer Wand des Hauptraumes hängen, be-, gleitet von den Plänen, die Bilder eines Baumodells, von denen wir einige hier wiedergeben. Es geht dabei um eine Herzl-Halle für Tel-Aviv, entworfen von dem jungen Wiener Architekten Jonas Mond. Die gekurvte Schmalseite des geplanten Bauwerkes wendet sich gegen die Stadt, die andere gegen das Meer. Aber der Eingang liegt an der Längsseite, und zwar dort, wo auf den bepflanzten Streifen die breite Freitreppe folgt und in die offene Säulenhalle führt. Diese Halle trennt den seewärts gerichteten Meetingsaal von dem Trakt des Herzl-Archivs mit geräumigem Studio, an den sich — in der Schnecke — der durch drei Geschoße reichende, interessant konstruierte und belichtete Ehrensaal anschließt. Der Bau, der hier auch bei berufener Seite Zu-, Stimmung gefunden hat, ist eine saubere, sympathische Arbeit. Die klare Führung der Räume, die sehr bestimmte Scheidung der vier Bauteile und die exakte Ausfeilung jeder Einzelheit lassen den Ingenieur erkennen. Aber darüber hinaus ist doch auch ein schönes architektonisches Empfinden da, trotz der — mit der Rampenschnecke — ungewöhnlich und formalistisch ausklingenden Gestalt keineswegs forsch, sondern im besten, dienenden Sinne jung. Von solcher Erscheinung und solchen Pulsen bewegt, würde dieser Bau a n seinem Ort die Rolle, die er im Auge hat, auf eine wünschenswerte, feierliche Art erfüllen. Eine offene Frage bleibt die Rampenschnecke. Denn sie ist, wie es scheinen mag, für das Denkmal, zu dem sie hinaufführt, ersonnen, mit dem sie steht oder fällt. Man wird sich darum vorerst mit dem Denkmal befassen müssen. Der Entwurf zu dieser Statue Herzls stammt von dem Wiener Bildhauer Felix Weiß. Der junge Künstler hat in Wien schon viele Erfolge gehabt, auch die Stadtgemeinde hat ihn beschäftigt. Ich kenne seine Arbeiten nicht und muß mich deshalb an die Proben halten, die in der genannten Ausstellung zu sehen sind. Die vor einigen Jahren angefertigte Büste Johann Kremenetzkys, bei der Weiß nicht unbehindert war, ist ängstlich geraten, der Kopf Lloyd Georges flott. Und diese Flottheit bei solcher Jugend scheint mir sehr bedenklich. Ich habe schon bei einem andern Anlaß ausgesprochen, daß ich mir in einem Lande, dessen Religion vollplastische Bildungen verbietet, eine angemessenere H eldenehrung vorstel 1 e: nämlich die durch Schriftplatten, versehen mit den edlen magischen Zeichen der hebräischen Sprache. Und ich hoffe noch immer, daß man sich dort füjr diesen Weg entscheidet. Aber auch vom Standpunkt der Kunst wäre es schlimm, wollte man dem Flotten und Gefälligen die Tore öffnen. Ob die Herzl-Statue von Weiß zu dieser Klasse gehört, vermag ich nach dem kleinen Modell nicht zu entscheiden. Der Künstler macht mit bemerkenswertem Geschick die rotierende Bewegung der Rampe mit: der schmale steile Sockel wird schräg gestellt, die Figur schwingt, ihre ausschreitende Gebärde ist gegen die Stadt gerichtet... Trotzdem ist sie dem Bauwerk nicht organisch entwachsen. Und etwas anderes, vielleicht ein Flammenkessel auf einem hohen Bronzegestell, würde die streng skandierte Anlage zu reinerem Ende bringen. Jedenfalls sollte man in Palästina Dinge der monumentalen Kunst — wenn überhaupt — gerade heute mit ganz besonderer Vorsicht und Sorgfalt behandeln. Wenn in der Siedehitze des Betriebes ein schlauen Bildermann mit seinen fragwürdigen Produkten durchschlüpft und Gunst und Geschäft auf seine Seite bringt, dann darf man hoffen, daß das weiter keinem Schaden stiftet und die Betroffenen schon in nächster Zukunft eines Bessern belehrt werden. Aber Monumente der Architektur und Plastik werden für die Dauer errichtet, sie stehen auf öffentlichen Plätzen, sie greifen bestimmend ein in den leicht empfänglichen und unsicheren Kunstsinn eines jungen Volkes. Hier braucht es das ganze Verantwortungsgefühl, auf allen Seiten. Für unsern Fall: Will man die Herzl-Halle .ausführen, dann bet raue man ei neWiener Jury, mit Oskar Strnad und Josef Frank an ihrer Spitze, mit der Entscheidung. 17

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