Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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jede Gelegenheit benützte, um einerseits in Oesterteich für die Levante-Messe zu werben, andererseits in Palästina den österreichischen Ausstellern die ihnen gebührende Bedeutung zu sichern. Zweifellos bildet die VI. Levante-Messe einen neuen Markstein in der wirtschaftlichen Entwicklung und Bedeutung Palästinas als einen neuen und immer mein ins internationale Wirtschaftsleben eingreifendem Faktor der gesamten Weltwirtschaft. %ie "CauUtxc aub Amerika Von Siegmund Schorr. Frau Kreindl hat ein kleines Geschäft, in welchem sie allerlei Kleinigkeiten feilbietet. Dort findet man Artikel, die man selten in einem anderen Geschäft bekommen kann: Hänger, Haken, Klammern, Zangen, Sacknadeln usw. Die ganze Ware steckt in einigen Schachteln und Schächtelchen und bringt den Lebensunterhalt ein. Frau Kreindl geht anständig angezogen, Sonn- und Feiertags geht sie ins Kino oder ins Theater, wo sie weint und lacht. Sie lebt bescheiden und legt noch etwas für ihre Tochter beiseite, für den Augenblick, da der Auserwählte kommen wird. Doch der Mensch wünscht sich immer was Besseres. Frau Kreindls Nachbarin hat hundert Dollar aus Amerika bekommen und Frau Kreindl ist außer sich. „Jeder" hat einen Verwandten in Amerika, „jeder" bekommt Geld und wieder Geld und wird über Nacht reich, nur ihre amerikanische Kusine schweigt und behält alles für sich. Sie war vor zwanzig Jahren über den großen Teich geschwommen. Wer weiß, wie reich diese Kusine dort geworden ist und was sie für ein Prinzessinnenleben führt! Doch wenn der Mensch reich wird, hält er gewiß den Geiz für eine Tugend! Vielleicht schämt sie sich gar ihrer armen Anverwandten? Frau Kreindl wird aber dieser Kusine einen Brief schreiben, einen Brief, der sich gewaschen hat. Ein Glück, daß sie ihre Adresse erfahren hat. So setzt sich Frau Kreindl an den Tisch, krempelt sich die Aermel auf, reibt sich die Stirne und schreibt folgende Epistel an die Kusine in Amerika: „Meine teure Klara! Ich teile Dir mit, daß die ganze Familie gesund und stark ist, und ich wünschte, dasselbe von Dir zu vernehmen. Dann haben wir Dich zwanzig Jahre gesucht, besonders ich — Deine Tante — bin alt und grau geworden und habe mir einen schwachen Kopf und ein krankes Herz geholt, vor lauter Suchen und Sehnen. Und nachdem ich Dich nach zwanzig Jahren gefunden habe, bitte ich Dich, daß Du mir Standes pendes schreiben oder telegraphieren sollst, ob Du lebst, ob Du geheiratet hast (was ich hoffe) und ob Du Kinderchen hast, was ich natürlich erwarte, und was Du die ganzen zwanzig Jahre in Amerika gemacht hast, und ob Du nicht herüberkommen willst, um das Grab Deiner teuren Eltern zu besuchen? Bei uns ist nichts Neues. Ich — Deine Tante — bin — Gott möge Dich vor dieser Prüfung bewahren — Witwe geblieben, mit einem Töchterchen. Es ist ein geratenes Kind, schick' ihm eine Kleinigkeit zum Geburtstag. Die Tante Lili ist gestorben, ihre Tochter ist mit einem Versicherungsbeamten verheiratet und es geht ihnen sehr gut. Bernhard, den Du noch als kleinen Buben gekannt hast, ist Ingenieur und endet in Kürze die Technik. Genias Tochter ist Konzipientin, sie treibt sich bei allen Gerichten herum. Es geht ihr trotzdem gut, wie auch der ganzen Familie; und wenn man Dir was anderes schreiben sollte, sollst Du es nicht glauben. Ich grüße und küsse Dich herzlichst, auch mein Töchterchen schickt Dir viele Grüße und Küsse. Schick' ihr eine Kleinigkeit zum Geburtstag!!! Deine treue Tante Kreindl." Wochen und Monate vergingen, die Kusine antwortete nicht. Frau Kreindl schrieb einen Brief nach dem andern. Eingeschriebene Briefe und Telegramme. In jedem Brief und in jeder Karte bat sie ihre Kusine Klara, sie möchte ihrem Kinde, der Waise, eine Kleinigkeit schicken, eine Aufmerksamkeit, etwa eine Ausstattung, eine Mitgift. Nach fünfzehn Monaten kam endlich die Antwort aus Amerika. Tante Kreindl wurde ganz sonderlich zu Mute. Sie weinte vor Freude, sie umarmte ihre Tochter und küßte sie und dankte dem lieben Gott, daß endlich das Glück aus Amerika gekommen war. Sie setzte ihre Brille auf und stellte sich zum Fenster, um die Karte besser lesen zu können. Die amerikanische Verwandte schrieb: „Liebe Tante! Ich habe alle Deine Briefe und die 26 Telegramme erhalfen. Verzeihe mir, daß ich Dir bis jetzt nicht geantwortet habe. Mein Kopf war voll von Geschäftssorgen. Und da ich heute in einer noch schlechteren Lage bin und wie ich aus Deinen Briefen und Telegrammen, die doch ein Vermögen gekostet haben, ersehe, daß Du wohlhabend bist, so bitte ich Dich, liebe Tante Kreindl, Du sollst mir helfen. Es geht uns hier in Amerika sehr schlecht. Deshalb bitte ich Dich, erbarme Dich unser und schicke mir, was Du kannst. Den Rest sammle bei der übrigen Familie, der es, wie ich höre, Gott sei Dank, ebenfalls gut geht. Ich werde Dir dies nie vergessen und Gott wird Dir Deine Güte lohnen. Ich grüße Dich, teure Tante, und Dein liebes Kind, das heißt meine Kusine, und ich gratuliere ihr aus ganzem Herzen zu ihrem Geburtstag. Deine arme Klara." Das war das Glück aus Amerika. (Deutsch von Ch. Wühl und Dr. Harth.) Kurpension Dr. Hecht, Semmering IMOmjSJI^^^^^^^^^^ StrCI19 ritUCll Dependance des Palace-Sanatoriums Rituelle Diätküche für Magen-, Darm- und Nierenleidende, Diabetiker usw. - Arzt im Hause Separate Klnderabteiluug [feröle^r ohne Vorsaisonpreise Auskunft: Lehrer J. Eisenberg, Wien IL, Gr. Pfarrgasse 8 - Tel. A 45-4-92 20