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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-05-01 · 7 (Mai 1934) · p. Seite 6

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
7 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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frei sind, wenn wir den Mut haben, uns vor jemand über uns für unsere Handlungen zu verantworten, wir und alle anderen Menschen? Wir schämen uns nicht, vom Schicksalswalten über uns zu wissen, wir empfinden nur eine Scham, das Wort zu sagen, das, solange die Menschen leben, das Innenleben jedes Menschen erhellt hat, das Wort von Gott, das Wort vom Glauben an das von höherer Macht gelenkte Schicksal. Die jüdische Lehre hat der Welt das Sittengesetz verkündet, den Glauben an das Walten Gottes, der freie Menschen geschaffen hat, welche aus freien Stücken nach dem Sittengesetz leben oder das Gebot brechen können. Es ist den Menschen anheimgegeben, das Schicksal nach dem Sittengesetz herauszufordern, Gott wohlgefällig zu sein oder seinen Zorn zu wecken. Nur an freie Menschen wurde Gottes Wort verkündet, nicht an jene, welche sich einem Naturgesetz unentrinnbar unterworfen fühlen. Nur Menschen, die Verantwortung tragen wollen, nur Menschen, welche die Kraft der Seele und des Gewissens besitzen, die können Gott schauen, an Gott glauben, nur an sie wendet sich die Glaubenslehre von dem einen Gott, die Religion. Das Leid der Zeit hat beten gelehrt und alle Gotteshäuser beginnen sich wieder zu füllen. Wer das Gotteshaus heute betritt, der mag leidgedrückt eintreten; er wird als innerlich freier Mensch das Haus des Friedens verlassen. Das jüdische Gotteshaus ist noch mehr, denn es ist die Heimat der Juden, wenn man sie das Aerglste, die Heimatlosigkeit empfinden läßt. Die Religiosität kommt wieder aus dem verschämt verborgenen Innenleben des einzelnen Menschen. Er mag sich vor jedem Menschen schämen, vor Gott darf er hintreten und bekennen. Wie tief religiös unsere Zeit geworden i s t, w i r d m an erst g e w a h r, w e n n m a n d e n M e n s c h e n in seiner Einsamkeit belauscht, de n n d e r Mens C h v o n h e U t e e in p f i n d e t n u r d i e ei n e Scham, zumal der moderne Jude: dem anderen Menschen zu gestehen, daß er wieder glauben und hoffen gelernt hat, daß er heimgefunden hat zu Gott. D. L. ■■■■■■lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllll IIIIIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIII1IIIII1J I. Mai 16. I jar 5694. 3. Mai: Lag b'omer. — Schülerfest. Todestag des Rabbi Simon ben Jochai, eines Schülers des Rabbi Akiba. Ihm wird nach der Tradition die Verfassung des kabbalistischen Buches „Sohar" zugeschrieben. Am Vorabend des Lag b'omer werden in den östlichen Gemeinden die Fenster der Gotteshäuser festlich illuminiert; in Palästina wird das Grab des Rabbi Simon ben Jochai, weiches sich in Akron in der Nähe von Safed befindet, von vielen Juden und Arabern besucht, durch Anzünden von Lichtern und Absingen von religiösen Liedern und Aufführen von chassidischen Reigentänzen geehrt. 4. Mai -- 19. Ijar: Sabbateingang: 7 Uhr 10 Min., Sabbatausgang: 8 Uhr 5 Min. Wochenabschuitt: B'har b'chukkotai. Fiaftarah: Adam ussi iinia- Sprüche des Vater (Perek), Kapitel 4. II. Mai — 26. Ijar: Sabbateingang: 7 Uhr 20 Min., Sabbatausgang: S Uhr 15 Min. Wochenabschuitt: B'har - b'chukkotai Haftarah: Adam ussi umaussi. Einsegnung des Neumondes: Neumond (Molad): Sonntag (13. Mai) abends um 10 Uhr 27M.: Perek: Kap. 5. 14. Mai — 2Q. Ijar: Vortag des Neumondes. Jörn kippur katau. 15. Mai R o s c h Chodesch S i w a n. 18. Mai — 4. Siwan: Sabbateingang: 7 Uhr 30M., Sabbatausgang: 8 Uhr 25 Min. Wochenabschuitt: B'midbar. Fiaftarah: W'hajah mißpar. Perek: Kap. 6. 20. Mai — 6. Siwan: Schewuoth, erster Tag. Das Wochenfest ist zur Zeit des Bestandes des Tempels als Fest der Erstlinge (Chag ha' bikkurim) begangen worden. Am Schewuoth war auch die Offenbarung am Berge Sinai und deswegen wird es als ,,Chag mattan thoratenu" (Tag des Thoraempfanges) benannt. 22. Mai - - 7. Siwan: Schewuoth, zweiter Tag. Maskir W'schemoth. Nach dem Mor^engebet vor dem Ausheben der Thora wird das Buch Ruth gelesen. 25. M a i — 11. Siwan: Sabbateingang: 7 Uhr 40 M., Sabbatausgang: 8 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: „Naßah". Haftarah: Waj'lü jom echad. Penk: Kap. 1. »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■•■•■■■■■•■■■■■■■■■■■■■■■•■■■iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinuiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 6

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