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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-02-15 · 4 (15. Februar 1934) · p. Seite 41

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
4 (15. Februar 1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 41 (sequence 43)
Language
German
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ausgeharrt und seinem Glauben die Treue bewahrt hat. Noch heute pilgern die Sehomronim, wie man diesen Stamm auch nennt, auf den Berg Gerizim, um Gott zu opfern. Es ist eine fruchtbare, schöne Ebene, die nun unter uns liegt", sagte Isis Führer, als der Wagen sieh wieder aufschwang, „sie heißt Judäa, und der süße Duft, der zu uns empordringt, kommt aus ihren herrlichen Orangenhainen. Aber jetzt erwartet dich das Schönste: jetzt reisen wir nach •Jerusalem!" Und da Isis Augen wieder fragten, fügte er hinzu: ,,Du weißt doch, daß Jerusalem die Hauptstadt des Landes ist, in welcher der wunderschöne Tempel auf Moriah stand, den der weise König Salomo erbaut hatte und der dann durch den babylonischen König Nebukadne/.ar zerstört wurde. Dort kannst du schon die Umrisse der Stadt sehen!" Isi blickte in die angegebene Richtung. Dunkelgrau, ernst und leierlich, grauen Wächtern gleich, so standen Judäas Berge da, sich allmählich im Nebel des Horizontes verlierend. Ein banges Gefühl durchschauerte das Kind, und sich unwillkürlich Tester an seinen Begleiter schmiegend, flüsterte es ängstlich: ,,0, wie traurig ist das!" Und auch der Greis war tielernst und blickte schweigend auf die Hügelkette. Und weiter Elog der Wagen dahin. Isi wurde wieder fröhlich und auf einmal jauchzte er hell auf: „Sieh — o sieh!" Der Wagen hielt und stand jetzt auf einem Hügel, dem Oelberg. Vor ihnen 'ag die herrliehe Stadt mit ihren \ielen leuchtenden Kuppeln. Und der Greis wies auf die östliche Stadtmauer und zeigte dem Knaben die beiden Tore, das „goldene" und das „Stefans-Tor". Und mit Entzücken blickte das Kind auf die wundervolle Omarmoschee. Isi stellte sieh im Wagen auf und blickte lange auf die leuchtende Stadt. Sein kindliches Herz war überwältigt von der großartigen Schönheit Jerusalems, und er fühlte, dlaß er nie mehr Schöneres sehen würde. Die Stimme des Greises weckte ihn aus seinen ' räumen. „Komm, der Morgen naht, und noch hast du nicht alles gesehen", sagte sie freundlich, uind der Wagen stieg empor. Eine Weile stand er noch über Jerusalem und Isi sah die Beste einer gewalligen Mauer zum Himmel ragen und hörte wie im Traume, daß das die Klagemauer st-'i> das Einzige, was von König Salomos gewaltigem Tempel übriggeblieben wäre. * Und er sah auf dem Wege nach Bethlehem die salomonischen Teiche, die in alten Zeiten das Land mit Wasser versorgt hatten und die auch "«Ute noch gefüllt sind. Und dann lag ganz klein Ul»d kaum sichtbar Raheis Grab unter ihnen. mDus war (He Stammutter deines Volkes", sagte der Greis. Nun schwebte der Wagen wieder über Fruchtbare, schöne Landschaften und Isi vernahm, daß dies der Emek sei. Junge Menschen zogen zur Olivenernte aus und sangen dabei wohlgemut und fröhlich. Sanft hüllte der Greis den Knaben wieder in seinen Mantel. „Wir müssen heim!" sagte er, „auch in Europa wird gleich die Sonne aulgehen!" „0, laß' mich hierbleiben", rief Hellend Isi, „so schön ist es da, so wunderschön, in meinem \ aterland!" „Es geht nicht, Isi", erwiderte der Greis, „wie traurig würden deine Eltern sein, wenn du nicht heim kämest. Aber sei deshalb nicht betrübt; wenn du erst groß sein wirst, dann steht dir der Weg offen und du kannst in dein Vaterland reisen!" „Ja, ja, das will ich!" rief Isi und warf noch einen letzten Blick hinab auf den schweigenden Gipfel des Libanon. Verwirrt erwachte er am nächsten Morgen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und lugte lächelnd in sein Gesicht. Und da besann sich Isi auf die schönen Erlebnisse dieser Nacht und mit einem Male erwachte wieder das heilige, schöne Gefühl in seinem Herzen: der Stolz, ein Saterland zu haben. PREISAUSSCHREIBEN Offen für alle Jahresbezieher des „WIENER JÜDISCHEIN FAMILIENBLATTES" Von den richtigen Lösungen des Kreuzworträtsels auf Seite 42, welche mit Angahe des vollen Namens und der Anschrift des einsendenden Abonnenten unter Beifügung des Kupons bis einschließlich Samstag, den 10. März 1934 bei der Verwaltung, Wien, I., Petersplatz Nr. 7, eintreffen, werden 3 Gewinner ausgelost. 1. Preis: S 50.— 2. Preis: S 20.— 3- Preis: S 10-— Dieser Abschnitt ist mit der Lösung an die Verwaltung »Wiener Jüdisches Familienblatt«, Wien, I., Petersplatz 7, einzusenden. Name: .................... Anschrift: 41

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