Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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P. F. Kaufmann: Lernende Kinder Dr. ). Adler, Tel-Aviv Gesundes Palästina — dank jüdischer Leistung! Der Einwanderer, der erstmalig den Boden unseres Landes betritt und wiederholt die Manipulation der Impfung über sich ergehen läßt, vermeint zunächst wohl, sich in einem Staatswesen mit be-. sonders hoch entwickeltem öffentlichen Gesundheitssehutze zu befinden. Freilich belebren ihn mehrere Wochen weiteren Palästina-Aufenthaltes bald eines anderen. Sie zeigen ihm, daß die staatliche Sozialhygiene Palästinas nicht über den Maßstab eines vorderasiatischen Landes von primitiver Lebenshaltung hinausgeht, und daß auf der anderen Seite alles, was uns in den jüdischen Siedlungen in Stadt und Dorf an sanitären Maßnahmen besten europäischen Gepräges begegnet, von Grund auf ureigenster jüdischer Initiative entsprungen ist. Im letzten Rechenschaftsbericht der Jewish ^.gencj kann man wörtlich lesen, daß die offizielle Auffassung des Sanitätsdepartements der Jerusalemer Regierung dahin geht, es ,.könne nur einen Maßstab öffentlicher Dienste im Interesse der Bevölkerung Palästinas anerkennen: nämlich den durch die Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung einerseits und durch die der Regierung zur Befriedigung dieser Bedürfnisse zu Gebote stehenden Mittel andererseits diktierten". Der viel höhere Maßstab ärztlichen Dienstes für die britische Beamtenschaft wurde nicht als Grund angesehen, um der jüdischen Bevölkerungsgruppe eine ,,\ orzugsbehandlung" einzuräumen. Daß die Akklimatisierung der jüdischen Einwanderer besondere hygienische Notwendigkeiten mit sich bringt, daß ferner das überwiegend vom jüdischen Steuerzahler aufgebrachte Regierungsbudget reichlichen L eberschuß aufweist, hat bisher keinen Wandel der offiziellen Aulfassung bewirken können. Die Regierungsbeihilfen zum jüdischen Gesundheitsschutze sind bis zum heutigen Tage über relativ geringfügige Subventionen nicht hinausgegangen. Was das jüdische Palästina im Aulbau dieses Gesundheitsschutzes aus eigenem freien Entschluß an sozialpolitischer Leistung vollbracht hat, wird uns aus Folgendem klar. Der zuverlässige Träger unseres Gesundheitsschutzes in Erez Israel ist der jüdische Aerztestand, der im Laufe von IÖ33 durch starken Zuzug aus Deutschland bedeutsam ergänzt worden ist. Auch das Apothekenwesen ist reich entwickelt. Es sei hier eingeflochten, daß der jüdische Arzt auch von der mohamedaniseben und christlichen Bevölkerung gern konsultiert wird. In absehbarer Zeit wird Palästina auch seinen ärztlichen Nachwuchs selbst ausbilden können. Seit langem sind Bestrebungen im Gange, an die Hebräische Universität zu Jerusalem auch eine medizinische Fakultät anzugliedern. Bereits beute besteht hier eine Abteilung für Hygiene und Bakteriologie, deren Forschungen dem Lande zum Segen gereichen. An öffentlichen und privaten Krankenhäusern, Ambulatorien, Kliniken, Entbindungsanstalten, Sanatorien ist im 'modernen Palästina kein Mangel. Wie in den Kulturstaaten des Abendlandes, haben wir auch im jüdischen Palästina das praktische Problem des wirksamen Gesundheitsschutzes vor allem darin zu erblicken, daß auf der einen Seite in umfassendem Grade vorbeugende Sozial- 18