Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8245601-8695753-8695755--064-8245661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Künstler in seinem Atelier PJutifty fuedacU ItauftnOHH Mitten im lautesten Kampf um das Judentum vollzieht sich in unserer Stadt ein geistiges und künstlerisches Ereignis, das hesser und eindringlicher als \ieles andere Zeugnis für das wahre W esen des Judentums ablegt: Die Ausstellung des Juden-Malers Philipp Friedrich Kaufmann. Seiion die Eröffnung dieser eigen- und einzigartigen Bilderschau, die eine Fortsetzung einer Reihe von erfolgreichen Ausstellungen in Paris, Brüssel, Amsterdam und anderen Großstädten ist, bewies durch dk' lebhafte Beteiligung weiter Kreise das große Interesse für diese Kunst und ihre Bedeutung. Philipp Friedrich Kaulmann gelingt es aber auch dies sei gleich vorweg gesagt - wie wohl keinem anderen Maler unserer Zeit, das tiefe seelische und religiöse Innenleben echten .Judentums ZU erlassen und zu gestalten. Keiner ist allerdings durch seinen Werdegang sowohl als Mensch wie "uch als Künstler so für diese Aufgabe prädestiniert wie gerade er. Kaulmann wurde 1888 in Wien als Sohn des berühmten Ghettomalers Isidor Kaufmann geboren. Sehr bald erkannte sein Vater sein malerisches Talent und nahm ihn schon in früher .lugend auf seine Studienreisen nach Galizien mit, wo er seine ersten Findrücke von den in unverbrüchlicher Treue an ihren Gebräuchen festhaltenden dortigen .luden empfingt. Aber als hätte er sich die große Aufgabe, diese jüdische Welt und ihre Menschen darzustellen, als Kernproblem seines Lehens für die /eil seiner Heile und Meisterschaft bewußt aufgespart, geht der Künstler in seiner ersten Entwicklung ganz andere Wege. Er studiert, nachdem er den ersten Malunterricht hei seinem Vater erhalten halte, an der Wiener Akademie bei Gricpenkl, gehl dann zu Stuck nach München, später nach Holland, Belgien und Italien und schließlieh nach Paris. Hier an der klassischen Stätte der Malerei reift seine Kunst /in großen Meisterschaft. Er w ird nicht w ie so viele andere vor ihm zum bloßen Nachahmer der großen französischen Maler, sondern bleibt sich seihst treu und gestaltet die Welt in seinen Bildern von sich aus neu. Und nun erst nach dieser langen Entwicklung hält er sich selbst für reif, an die große Aufgabe seines Lehens an die Judenmalerei zu gehen. 13