Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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„Weißt du, was ich dir sagen werde, Schneier?" ..Was denn, Meier?" „Was... \\7ir müssen essen, sonst riskieren wir unser Leben!" Hieraul griffen sie zu den Löffeln, schlürften die heiße Grütze und verschlangen sie wie Nudeln am Freitagabend, verbrühten sich die Lippen und die Zunge und schluckten hiul wie Gänse; sie dachten nicht im geringsten daran, daß sie sieh wie Gäste zu benehmen hatten und daß das Essen n it Ii t rituell war. Die Grütze schmeckte ihnen wie ein Paradiesgericht fürchte ich, denn es war unnatürlich', wie hastig sie Zugriffen und die Speise verschlangen; sogar die Kosaken wunderten sich darüber und fühlen in ihrer Sprache folgendes Gespräch: „Was sagst du zu deinem Chaim, Wanjuscha, wie eitrig er zugreift?" „Nein, Pawluscha, du irrsl dich, dein Lzchok ist es, der das ganze Essen verschlingt!" Die beiden Brüder taten, als ob sie nichts verständen und löffelten mit unermüdlichem Eifer weiter. „Wanjuscha, sage deinem Ghaim, er soll nicht so hastig essen! Wenn ich ihn packe, holt ihn der Teufel!" „Versuch nur einmal, meinen Chaim anzurühren, dann zermalme ich deinen Izehok zu Staub!" Im selben Augenblick riß Pawluscha Wanjuschas Juden den Löffel aus der Hand und versetzte ihm einen Stöfs in die Seite, daß er einen dreifachen Purzelbock schoß. Das ärgerte Wanjus, ha sein , er sprang aul und schlug Pawluschas Juden mit der l aust vor die Zähne, daß es ihm vor den Augen flimmerte. Empört versetzte Pawluscha Wanjuscha drei feurige Ohrfeigen. Da reckte' sich Wanjuscha und rief.mil wuterfülltem Antlitz: „Dafür, daß du meinen Juden sehlägst, schlage ich deinen Juden." Wanjuscha und Pawluscha verteidigten ihre Juden und schlugen und prügelten sie für das ihnen zugefügte Unrecht so unbarmherzig, daß die christliche Speise ihnen schlecht bekam. Ein Glück, daß die Juden die Hände in die Füße nahmen und davonliefen, Wie aus einein bösen Traum erwachend, rann ten sie vor sich hin, ohne sieh u'mz'uschauen, von Angst getrieben, daß man sie verfolgte. Sie rannten und rannten, bis sie, endlich erschöpft, ihre Schritte mäßigten, einen Augenblick anhielten und sich niedersetzten. Nun kamen sie allmählich zur Besin niing und erinnerten sich, was sich eigentlich zugetragen hatte. Drei Kapitel: Erstens vor dein Po grom gellohen, zweitens Schweinefleisch gefressen drittens Prügel crwischl. Endlich begann einer von ihnen, stammelnd: „Weißt du, was ich dir sagen werde. St hneier?" „Was denn, Meier?" „Was? ... Ein Jude ist keine Kleinigkeit Sogar ein Kosake hat es nicht ruhig mitansehen können, daß ein Jude geschlagen w erde . . . Jeder Mensch nimmt sieh unser an, wenn uns ein Unrecht zugefügt wird... Alle treten für den .luden ein und verteidigen ihn." 24