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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-01-01 · 3 (Jänner 1934) · p. Seite 19

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
3 (Jänner 1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German
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ein ,,Kw ittel" zu geben oder „Scholen) alechem" zu sagen . . . Legenden und Geschichten werden Uber die „Ruzyncr" erzählt. Hier einige: Als R e I) 1 s r;i e 1 „Ii u /. y n d r" lebte, glaubten seine Chassidim, daß der „Messias" bald kommen müsse. Ist doch lieb Israel „Ruz.yner" ein Nachkomme des königlichen Hauses Dawid. Tatsächlich landen religiöse Juden in der heiligen Schrift, im Talmud und im Sohar, verschiedene S&tze, die sie dabin auslegten, daß der „Messias" im Jahre 1860 erscheinen werde. Sie vernachlässigten ihre Geschäfte, verteilten das Geld unter die Armen, weilten in den Bethäusern und pilgerten zu den Rabbis. Das Jahr 1860 war gekommen. „Heiliger Vater" — rief Heb Israel „Ruz.yner" in Gegenwart seiner Chassidim — „ich flehe dich an, erhöre mich! Wahrlich, deine Kinder haben keine Kraft mehr, die Erniedrigungen und Verfolgungen in der Verbannung zu ertragen. Lasse den Messias kommen!" Leberall fanden sich die Rabbis mit ihren Chassidim zusammen und erwarteten den Messias aus dem Königshaus Dawid. Auch der Dzikower Rebbe Kliezer. Doch plötzlich sprang der Dzikower Rebbe Kliezer aul und rief mit mächtiger Stimme: „.luden, ich schwöre, daß in diesem Jahr der Messias nicht kommen wird." Die Chassidim wurden von panischem Schreck erfaßt und liefe Trauer kehrte in ihrer Mitte ein, denn sie dachten, daß der Schwur eines großen Rabbi in Erfüllung gehen muß. Und wirklich ist der Messias im Jahre 1860 nicht erschienen. — — — \ or einigen Jahren kam eine kranke Frau aus 1.. nac h \\ ien. „Rebbe" weinte sie — „der Professor meint, daß ich unbedingt operiert werden muß. Werde ich Heilung finden?" „Gehen Sie ruhig zur Operation und Sie weiden gesund." Die liau wurde operiert und vollständig gesund. Nach einigen Wochen kam ein schwerkranker Mann BUS derselben Stadt I.. zum Rabbi. „Rabbi" — klagte er — „die Aerzte wollen mich einer schweren Magenoperation unterziehen. Soll ich..." „Kommen Sie nächste Woche." „Aber Rabbi, ich habe die tüchtigsten Professoren aufgesucht und sie erklärten mir, daß ich übermorgen operiert werden muß, sonst lehnen sie jedwede Verantwortung ab." „Kommen .Sie nächste Woche. E8 hat /.eil." Als eine Woche vorbei war, sprach er wiederum beim Rabbi vor: „Rabbi, soll ich . . ." „Nein, du sollst nicht . . ." Lud als der Mann aus I,. wiederum einen Professor aufsuchte, stellte man mit Staunen lest, daß die erste Diagnose falsch war — — — linst kam zum „Czortkow er" sein alter, treuer Chassid Reb Dawid, der sich schon lange nicht gezeigt hatte. „Oh, oh, ein Gast, ein (last" begrüßte ihn der Gabbe und eilte zum Rabbi, um ihm diese Neuigkeit zu melden. „Rabbi, man wird einen Segenspruch machen müssen", meinte er übermütig und wiederholte den Witz, „ja, ja, man wird einen Segenspruch machen müssen." „Warum denn einen Segenspruch?" „Nun, Reb Dawid ist gekommen." Der Rabbi sah dem Gabbe scharf in die Augen und verließ wortlos das Zimmer. Achtundvierzig Stunden durfte niemand zu ihm vorgelassen werden. Der Gabbe dagegen erkrankte und starb noch in derselben Weiche. Der Chassid Reb Dawid war nun überzeugt, daß er vieles zum Tode dieses Mannes beigetragen habe; denn wenn er zum Rabbi regelmäßig gekommen wäre, halte der Gabbe diesen Witz Dicht gemacht, und wenn der Gabbe diesen Witz nicht gemacht hätte, so hätte ihn der Rabbi nicht scharf angeschaut, und wenn er ihn nicht scharf angeschaut hätte, so wäre er heute noch unter den Lebenden. So dachte der Chassid lieb Dawid und ging mit 10 Männern zum Grabe des Gabbe, um ihn um Verzeihung zu bitten. — — — Viele Chassidim kamen aus dem Ausland, um dem großen Toten die letzte Ehre zu erweisen, l ausende Juden begleiteten den Trauerzug. Trotz eisiger Dezemberkälte warteten sie stundenlang auf dem Friedhof, denn alle wollten den „Czortkower" noch einmal sehen und eine Schaufel Erde oder ein „Kwittel" ins Grab legen. Haifa/ tropische Gartenpracht/ im Hintergrund das TeoSnikum Tel - Aviv, AHanby-Sfraße 19

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