Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 15 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- Seite 124 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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24 LITERATUR BLATT No 15 können. Wir empfehlen den Kalender, der zugleich ein literarisches Jahrbuch von Wert ist, der Beachtung aller Freunde des Heiligen Landes und der hebräischen Literatur, Notizen Ethnographische Gesellschaft. Von der St. Petersburger Gouvernementsbehörde für Vereinsangelegenheiten ist registriert worden eine Jüdische historische, ethnographische Gesellschaft, deren Ziel und Zweck ist, Studium und Erforschung der jüdischen Geschichte und Ethnographie. Die konstituierende Versammlung fand am 16. November a. St., um 1%; Uhr nachm., im Alexandersaal der Synagoge (St. Petersburg. Offizierstrasse 32.» statt. Auf der Versammlung haben S. M. Dubnoff, M. M. Winawer und M. J. Kulischer über die Zwecke und Aufgaben der Gesellschaft gesprochen und wurden auch die Wahlen der Vorstandsmitglieder vorgenommem Der Kalender der Chinesen ist beinahe gleich dem jüdischen. Die Ähnlichkeit ist so auffallend, dass man füglich behaupten könnte, diese beiden Völker haben ihn derselben Ouelie zu verdanken. Das Jahr beginnt etwa im Monate Schebat, also im Januar—Februar, mit dem ersten Neumond nach Eintritt der Sonne in das Zeichen des Wassermanns. Es hat 354 oder 355 Tage und zerfällt in zwölf Monate. Diese zählen genau wie bei den Juden 29—30 Tage und beginnen mit dem Neumonde. Auf diese Weise tritt alle zwei bis drei Jahr ein überflüssiger Monat hinzu, der Schaltmonat, der den Namen des ihm vorangehenden Monats mit dem Zusatze „shun“ erhält. Also unser Weadar. Das Schaltjahr zählt 383 oder 384 Jage. Je 60 Jahre werden zu einem Zyklus zusammengefasst. Gegenwärtig zählen die Chinesen den 78. Zyklus, also annähernd der Zählung der Juden seit Erschaffung der Welt. Jiidisch-iolkloristische Ausstellung. Die Gesellschaft für jüdische Volks- Kunde (Sitz Hamburg) veranstaltet im Logenheim, Hartungsikasse. eine Ausstellung ihrer Sammlungen. Die Ausstellung enthält hauptsächlich Gegenstände, die im religiösen Leben der Juden Verwendung finden, und da der ärmste wie die höchstbegüterte Jude diese Gegenstände für sein Haus gebraucht, so haben die Werkmeister auch in der Wahl der Stoffe Gelegenheit zu mannigfachen Neugestaltungen. Neben geschmackvollen Holzschnitzereien aus deutschen Bethäusern bewundern wir in der Sammlung die zierliche Sabbathlampe, die Stickereien, die an den festlichen Tagen den Tisch ■des Hauses geziert, den Kelch für den Wein, über den an Sabbathen und Festen der Weihesegen gesprochen ward, wertvolle Gehäuse für die Pfostenschrift, durch die sich der Jude an die Allgegenwart Gottes im Hause erinnert, allerlei Leuchter für die acht Abende des Weihefestes. durch das alljährlich die Erinnerung an die Makkabäersiege in Israel erneuert wird, vor allem aber eine kostbare Sammlung der Geräte, die am Sabbathausgang in frommen Häusern gebraucht werden- Zahlreiche Einzelgegenstände des jüdischen Volkslebens in Russland und Amerika, unter ihnen eine Sammlung von Theaterzetteln der jiddischen Theater in New York, und eine Reihe von Amuletten, wie sie einst der Aberglaube der Ghetto - juden forderte, vervollständigen diesen jhmfangreichen -Teil der Sammlung. Die zweite Abteilung umfasst Porträts von jüdischen Gelehrten und von Juctentypen. An diesen Teil der Sammlung gliedert sich eine Zusammenstellung von Münzen und Medaillen an. die, von Juden geschaffen, zur Erinnerung an verdiente Juden oder zum Gedächtnis an geschichtliche Ereignisse geprägt worden sind. Hier sind besonders Hamburgensia reichlich vertreten. Politische und Privaturkunden füllen eine dritte Abteilung. Den künstlerisch wertvollsten Teil dieser Urkundenabteilung bildet eine kleine Sammlung italienischer reichkolorierter Ehe-Urkunden auf Pergament. Die Sammlungen sind an den beiden kommenden Sonntagen von 12 bis 3 Uhr geöffnet. Ein Mitglied des Vorstandes ist zur Erteilung von Auskünften zugegen.