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Jüdische Rundschau · 1908-12-11 · 14 (11.12.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
14 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu „Jüdische Rundschau“ Jahrg.XllI. _No. 50 lierausgegeben 9 von Dr. Heinrich £ocve. Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No.I4. Berlin, 17. Kislew 5669 — 11. Dezember 1908 Jahrg iV Die Bibel Wenn das Jüdische Vo!lk sein eigenes Wesen erkennen will, so muss es an die Quellen seines Seins und an d:e Gründe seiner Geschichte zurückgehen. Denn dieses Wesen des Jüdischen Volkes ist nur in der ursprünglichen Heimat sich treu geblieben, während es seit der Vertreibung aus dem Vate^rlande zu allen Zeiten mehr oder minder einer Angleichung an die Umgebung ausgesetzt war. Am deutlichsten tritt d.as dort hdrvor, wo die Juden zuerst in grosser Zahl eim eigenes Leben im Exil zu schaffen in der Lage waren, in Alexandria, wo sie trotz dem zähen Festhalten an der Stammesgemeinschaft, die sie als die ersten im jüdischen' Volke als blosse Religionsgemeinschaft angesehen wissen wollten, zwar der Nation der Juden erhallten blieben, aber in den äusseren Kennzeichen der Kultur glaubten Hellenen geworden zu sein. Dass sie keine Griechen geworden sind, sondern Juden blieben, sehen erst wir ein, die wir die Dinge historisch betrachten. Aber dass der Irrtum, Griechen zu sein, in ihn'en überhaupt wachgerufen werden konnte, zeigt am besten, wie sehr sie den äusseren und den seelischen Einflüssen der Umgebung sich assimilierten, und so wurden diese hellenistischen Juden die Vorbilder aller der späteren Generationen, die aus dem Judenvolke hterauszukommen glaubten, wenn sie es nur für eine Glaubensgemeinschaft erklärten. So ist der Beigriff der Glaubensgemeinschaft ebenso wie der des Glaubens überhaupt eine Schöpfung der hellenistisch assimilierten atexandrinischen Juden, während die alte hebräische Nation keine derartigen Begriffe kannte. Zur*Entstehung des auf Glauben beruhenden Christentums bedurfte es erst dieses jüdisdhgriechrschen Assimilationsprozesses, da die regelrechte Folge des alten biblischen Judentums eine solche Entwicklung ausgeschlossen hätte. So folgenreich also grade die alexandrinische Zeit und. Öhr halbjüdischer Kulturkreis für die folgenden Jahrhunderte und Jahrtausende geworden ist, so steht es doch über allem Zweifel fest, dass dieses schwächliche Alexandrinertum keinen auch noch s®

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