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Jüdische Rundschau · 1908-10-02 · 10 (2.10.1908) · p. Seite 80

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
10 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 LITERATURBLATT No. 10 L. Barnett, Claude Montefiore, Dr. j Carl Duschinskv aus London, Prof. Jastrow aus Philadelphia, Dozent Israel Abrahams aus Cambridge und M. Salomon Reinach aus Paris. Jüdische Altertümer in der Ofener Festung. ln einem Budapester Blatte gibt Professor D r. M., Weiss einige interessante Mitteilungen über jiidisehe Altertümer in djer Ofener Festung: Als am 2. September 1686 — vor genau 222 Jahren — Ofen von den verbündeten Heeren der| Christenheit den Türken entrissen wurde, verschwand auch die bis dahin blühende jüdische Gemeinde. Die berühmte Gemeinde mit ihren weitbekannten Institutionen, ihren Synagogen, fand ihr Grab unter den rauchenden Festungstriimmern. Sogar den jüdische Friedhof verschwand von der Erdoherfläche, kein einziger Grabstein verkündet der Nachwelt den Ruhm der Männer, welche dort der Auferstehung harrten. Die Bewohner fielen zum Teile der grausamen Wut der Belagere!־ zum Opfer, ein grosser Teil wurde von den Eroberern in die Ge- ■fangenschaft geschleppt. Isak Schulhof (geboren 1650, gestorben 1732), Schwiegersohn des weitberühmten Ofener, Rabbiners Rabbi Efraim Kohen. berichtet als Augenzeuge die furchtbaren Vorgänge, die sich bei der Erstürmung Ofens abspielten. Seine Schrift erzählt die grauenvollen Leiden der jüdischen Gemeinschaft, wie auch seine wunderbare Rettung. (Wie aus er Megillah in den Synagogen Israels seine wunderbare Rettung alljährlich zum Gedächtnisse verlesen wird, so sollte in der Familie des Geretteten die Megillah von Ofen davon erzählen, wie aus Not. Drangsal und Todesgefahr der Ahne der Familie durch Gottes Beistand dem Untergange entronnen ist). Als die Sieger die von den Geschossen hart mitgenommenen Bauten wieder hemchten wollten, galt es ihnen als selbstverständlich* die Grabsteine des Judenfriedhofes als Baumaterial zu verwenden. Der bequemste Steinbruch war der Friedhof, konnten doch die toten Juden auf keine Pietät rechnen in einer Zeit, wo die lebenden Juden für vogelfrei galten! Grundmauern, Treppen, Pfeiler wurden aus Grabsteinen errichtet. Die Inschrift wurde gewöhnlich abgehackt oder eingemauert. Die Zeugen und Denkmäler der ruhmreichen Vergangenheit verstummten so. bis die neue Zeit sich an die alten Gebäude heranwagte. In den Grundmauern der Stephanskapelle der Mathiaskirche fanden sich die ersten Grabsteine der Türkenzeit. Das Budapester Museum bewahrt die Denkmäler, die aus dem Zeitabschnitte 1672 bis 1678 zum Vorschein gekommen sind: Hacken und Spaten haben jetzt weitere vier Steine zum Vorschein gebracht. Die Häuser No. 4 und 5 auf dem Paradeplatz in Ofen, die Erzherzog Josef für seine Mutter Erzherzogin Clothilde als Wohnung adaptiere lässt, bildeten das Eigentum der Abtei zu Kremsmünster. Im Jaihre 1688 Hess die Abtei das Gebäude umgestalten und hierzu wurden auch die jetzt zum Vorschein gekommenen Steine als Baumaterial verwendet. Der Baumeister fand die Steine im Grundpfeiler eingemauert. Ich las dieselben. Zwei Steine enthalten eine vollständige Inschrift. Der erste Stein verkündet den Ruhm des gottesfürchtigen Rabbi Juda, Sohnes des Rabbi Chaim S.üssi, der im Jahre 1678 verschied. Es ist dies ein mächtiger Kalkstein, 1,20 m lang, 0,49 m breit. Das zweite Grab״־ mal war am Grabe des Nathan, Sohnes des Rabbi G e r s o n . errichtet, der im Jahre 1656 das Zeitliche segnete. Der dritte Stein stand am Grabe eines Ehepaares. Name desselben fehlt. Als Todesjahr gilt das Jahr 1600. Der vierte Stein, ein Bruchstück, bezeichnete das Grab einer Frau, Tochter des Rabbi Juda, aus dem Jahre 1657, Die: Steine werden auf Veranlassung des Erzherzogs Josef dem Budapester Museum einverleibt.

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