Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 7 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 No. 7 LITERATUR BLATT näher begründet. In England fand er zahlreiche Gegner und Zweifler; in Deutschland schloss sich ihm zuerst u. a. v. Luschan rückhaltlos an, dann auch Hermann Wagner, über dessen Vortrag in Göttingen die VOSS, ZTG. in ihrer No. 155 vom 3. April vorig'en Jahres berichtet hat. Von beiden wurde besonders Karl Peters’ Buch ״Im Goldland;des Aflitertnus“ hart mitgenommen, zum Teil zu Unrecht; denn Peters hat ungeachtet mancher Irrtümer und Phantastreien nur von neuem und mit grossem Geschick alles das zusammengestellt, was für ein rhodesisches Ophir spricht. Wahrscheinlich ist aber über diese auch von ernst zu nehmenden :Forschern verteidigte Theorie *der Stab noch lange nicht zu brechen, und man wird viel genauere Aufklärungen abwarten müssen, als sie auf Grund doch nur kurzer und beschränkter Untersuchungen Maciver geben zu können geglaubt hat. So sei nur darauf verwiesen, dass Hall und Neal, die sich jahrelang mit Simbabye beschäftigt haben, ebenfalls jenes für so beweiskräftig gehaltene Nanking- Porzellan gefunden ,haben, ihrer be- .stimmten Angabe nach aber nicht in dem ■ältesten, sondern in jüngerfcin! Schichten. In einem Aufsatz ״Ophir und die Simbabyekultur“ kam Prof. S. Passarge im GLOBUS zu beachtenswertem Schlüssen. Es ist immer, und fast widerspruchslos, hervorgehoben worden, dass die Ruinen Rho- ׳tieisias auf südarabische, sabäische Kultur hindeuten .Passarge '׳behandelt nun!nacheinander die Frage: Wie war die alte Kultur dieser Sabäer beschaffen, was spricht für und was gegen die Ausbreitung jener Kultur in Südafrika? Nachdem er alles gegönaiinander abgewogen hat; macht er auf folgendes aufmerksam: Die Sabäer sind sehr früh in Madagaskar gewesen; warum sollte es unmöglich sein, dass sie auch auf dem gegenüberliegenden Festland© ־ Kolonien hatten? Die gross© Uebereinstimmung des rbodesischen Bergbaues mit dem altägyptischen ist wohl nicht zu leugnen und die Aehnlichkeit der Goldbarren mit den phönizischen Kinnbarren überraschend. Die beiden kegelförmigen, massiven Türme in Vergleich mit den heiligen Türmen Vorderasiens (z. B. im Byblostempel) Simbabye sind völlig unerklärt. Der ist immer noch die beste Erklärung; hier liegt ein entschiedener Hinweis auf Vorderasien und seine alte Religion. während Macivers Behauptung, die Türme seien Embleme eines Kaffernhäuptlings und seiner Frau, jeder Begründung entbehrt. Die zahllosen Ichalli deuten auf einen ausgedehnten Ichalluskult. Wenn Ichalli in Afrika auch sonst nicht fehlen, so spielen sie doch nirgens. eine solche Rolle wie im alten Vorderasien. Das gleiche gilt für die Monolithe auf den Mauern!und Plattform und einten durchbohrten Steinzylinder mit Buckeln, der dem heiligen Stein von Paphos auf Zypern auffallend gleicht und von Maciver ganz ignoriert wird. Die Terrassenhauten Rhodesias sind mit dem Ackerbau in Verbindung gebracht worden, zumal sie grosse Aehnlichkeit mit gleichen Anlagen in Südarabien zeigen. Maciver hält die rhodesischen Terrassen für Befestigungswerke; das können sie aber schwerlich gewesen sein, denn dazu sind sie ganz ungeeignet. Passarge schloss: .,Nun haben die südarabiochen Kulturvölker .'lange Zeit hindurch an der ostafrikanischen Küste gesessen. Ist es da nicht mehr als wahrscheinlich, dass ihre Kultur bis zu einem gewissen Grade von den Negern angenommen worden ist, vielleicht unter Bildung von Mischvölkern? Die südarabische Kultur könnte allmählich verarmt und zum Teil — namentlich kulturelle Einriehtungen wie Tempel — missverstanden sein . . . Trotz alledem stand diese fremde, auf afrikanischen Boden verpflanzte Kultur viel, viel höher als die ursprüngliche Negerbultur. Nach solcher Auffassung wäre also die Simbabyekultur der letzte Rest der. alten südarabischem Kultur, aber vernegert und verarmt, genau so wie die islamitische Kultur Vorderasiens im Sudan reduziert ist . . . Das Fehlen von Inschriften, die von Hall bAid Neal behauptete Verschlechterung und Verkümmerung — Verkafferung! — der ältesten Simbabyekultur, alles würde seine Erklärung . finden.“