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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · 6 (3.7.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
6 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ Jahrg.Xlll. No. 21 Herausgegeben von Dr. Heinrich toeve. "י Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 6. Berlin, 4. Tammus 5668 — 3. Juli 1908 Jahrg. IV Aus der Geschichte der Berliner Judenschaft. Während die Juden heute in Berlin die Synagogengemeinde bilden, gab es früher gesetzlich nur eine Judenschaft, und nur so wurde die Gesamtheit der Berliner Juden genannt Fast in derselben Zeit, wo sich die Verhältnisse so zu gestalten begannen, dass sich aus dem Zuzuge von ausserhalb die Berliner Grossgemeinde zu entwickeln begann, die in Gross-Berlin jetzt etwa ein Viertel aller im Deutschen Reiche wohnenden Juden umfasst, verschwand die alte Bezeichnung Judenschaft und machte dem Namen der Gemeinde Platz. Gleichzeitig wurde die kleine alte Judengemeinde zu einem immer grösser anwachsenden Gesamtkörper. In das Werden und Wachsen der alten Judenschaft und auf ihre Entwicklung zur Grossgemeinde wollen wir einen Blick werfen. Die Geschichte der Juden im Brandenburgischen Staate ist ebenso alt wie die des deutschen Herrenvolkes. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Juden wie in allen slavischen Ländern so auch, zwar recht dünn gesät, vor der germanischen Kolonisation unter den Wenden als der erste Ansatz zu einem Bürgertum wohnten. Im dreizehnten Jahrhundert sind in den märkischen Städten Juden als sässige Handelsleute urkundlich bezeugt. In das helle Tageslicht der Geschichte treten׳ aber die märkischen Judengemeinden erst mit beginnendem Aufleuchten der Neuzeit. Der Reflex dieses Lichtes ist der Holzstoss, auf dem man 38 Juden aus Spandau, Brandenburg und Stendal auf dem neuen Markte zu Berlin zur Ehre Gottes verbrannte, unter der Anschuldigung, von dem Bernauer Kfrchenräuber Paul Fromm eine entwendete, geweihte Hostie gekauft und gekreuzigt zu haben. Damals wurden sämtliehe Juden aus dem Kurfürstentume für ewige Zeiten vertrieben. Dasselbe Bedürfnis nach dem Vermögen der Juden, das diesen Prozess׳ und diese Vertreibung veranlasst hatte, wurde zum zweiten Male, nachdem sie von Joachim II. wieder aufgenommen waren, der Grund ihrer Austreibung im Jahre 1573. Der angesehenste unter ihnen, der Münzjude Lippold, den seine eigene Frau

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