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Jüdische Rundschau · 1908-05-22 · 5 (22.5.1908) · p. Seite 34

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
5 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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No. 5 34 LITERATURBLATT wenn!es gelingen soll, die jüdische Intelligenz zu einer Entscheidung für eine jüdische Zukunft aufzurütteln. Und so greift Joseph überall an die Wurzel. In prächtiger Dialektik zergliedert er zunächst die moderne Gegenüberstellung von Religionsjudentum und Nationaljud'entum. Die logische Unha'ltbarkeit eines entnationalisierten Judentums zeigt er grade am sog. ״liberalen“ Judentum. Trotz alles Sträubens muss auch dieses fortwährend mit national-jüdischen Gefühlen arbeiten. Die Betonung des Volkes Israel ■ist selbst in der verblassten Missdonsidee noch national. Um alles Nationale abzulösen, müsste die ״Reform“ nicht bei Einzelheiten stehen bleiben. Alle Feste;, der Sabbath, das Hebräische sind unauflöslich mit nationalen Ideen verknüpft; sie müssten fallen. Die• jüdische Wissenschaft, das Erzeugnis apologotischen d. h. nationalen Strebens, müsste! aufhören. Der, jüdische Religionsunterricht bleibt trotz aller Bemühungen national, indem!er hilft die Kontinuität mit dem antiken Judentum herzustellen. ״Mögen eure Rabbiner und Lehrer noch so assimilatorisch gesinnt sein, das Kunststück, den Religionsunterricht von allem Nationalen zu reinigen, haben siie noch nicht fertig bekommen. Das ist nicht ihre Schuld, sondern — die des Judentums.“ Will man aber konsequent sein, so gelangt man zur Auflösung des Judentums; und das ist es ja, was gezeigt werden soll. Die Reform hat ihren Bankerott längst erwiesen; sie war nicht imstande, das Judentum durch Modernisierung dauerfähiiger!zuf machen, sondern hat es ruiniert, denn die Bestrebungen der Angleiichung an die Umgebung führen zu dem Wunsch, auch die letzten Schranken fallen zu lassen. Die halbe Assimilation führt zur Unaufrichtigkedt und Unklarheit, und damit in der nächsten Generation zur; völkgen Loslösung vom. Judentum. Eine gesonderte Betrachtung widmet Joseph dem Missdonsideal der modernen Rabbiner, die grade in der Zerstreuung Israels eine Fügung der Vorsehung zur Verbreitung der jüdischen Lehre erblicken wollen. ״Dieser Glaube ist einzig und allein eine Entdeckung des neueren Judentums.“ Bibel und Talmud kennen ihn nicht, das zeigt Joseph in unwiderleglicher Schärfe. Während der Zerstreuung grade kann unser Volk nichts für eine ״Mission“ tun. ״Was wir dem Christen bieten können, vermag er auch ohne uns zu finden.“ Der Missionsglaube ist im 19. Jahrhundert als eine Art ,,V!erleg'enhei:tsideal“ entstanden, in Ermangelung eines! anderen. Das!ist eine äusserst glückliche Kennzeichnung der wahren Sachläge. Mancher wird grade bei diesem Kapitel dem Autor die Vor- Urteilslosigkeit besonders hoch an rechnen, mit: der er diese Dinge ansieht, . Aber wir wundern uns.nicht mehr, wenn wir Beweise , eines, ,freien?1־we|t^n" Blickes׳weiter' im ,Lauf der Darstellung überall finden. ' ' " . ' , -

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