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Jüdische Rundschau · 1908-04-15 · 4 (15.4.1908) · p. Seite 32

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
4 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 LITERATURBLATT No. 4 1400. Die romanische Form geht in die Gotik über. Masswerk und stilisierte Blumen, die aus altgriechischen Monumenten herstammende Haagrose beleben die Steine. Dann folgt die Renaissance, an den Seiten tritt zum ersten Male Blumengewinde auf. Die Zeit des Barocks zeigt in ihren bewegten Linien einige treffliche Arbeiten altfrankfurter Künstler. Namentlich sind auf den Steinen dieser Periode die alten Hauszeichen abgebildet. deren Namen später von den Eigentümern angenommen wurden, z. B. ein Zeichen, von -welchem: Hause die Familie Kann ihren Namen ableitet, ferner Hirsch, Bär, Storch usw. Zahlreiche Denkmäler gehören zur Zeit des Rokoko, der hier spezielle örtlichen Eigentümlichkeiten zeigt. Auch die Ueberreste der 1711 bei dem grossen Judenbrande zerstörten Torarollen sind hier bestattet, weil es der Kult so vorschreibt. Der vorderasiatischen Abteilung der Berliner Museen hat neuerdings James Simon ein weiteres wertvolles Geschenk gemacht. Es besteht in 210 babylonischen Tontafeln der Hammurabi-Zeit sowie 32 babylonischen Siegelzylindern, Ringen und dergleichen. Der Pharao der Bibel. Im letzten Sommer wurde die im Jahre 1898 aufgefundene Mumie des Sohnes und' Nachfolgers des grossen Ramses ausgewickelt. Loret hatte sie bei Theben im Grabe des Amenbotep II. gefunden und bald gelang es der Forschung, diese Pharaonen - lnumie mit den irdischen Resten des biblischen Pharao Mernephtah zu identifizieren, des Beherrschers Aegyptens, bei dem Moses nach langem Kampfe die Freilassung des geknechteten ' israelitischen Volkes durchsetzte. Im STRAND MAGAZINE berichtet David M. Beddoe jetzt über die Untersuchung der Mumie. Die Gelehrten hatten ' die längliche, in braune Leinen gehüllte Gestalt auf einen Tisch gelegt. Durch nichts unterschied sie sich von den Mumien anderer Bürger. Kein Pomp, keine Pracht-, nur ein kleiner Zettel am Kopfende des Kastens verriet, dass es die Reste Mernephtahs, des Königs des Oberen und Unteren Aegypten waren, die hier vor aller Augen lagen. Mit grosser Behutsamkeit begann man die endlosen Linnensitreifen abzurollen; dann, als man zur Brust kam, gab es eine Ueberraschung: „Er ist ausgeplündert!“ Auf der Brust, von den gekrümmten Fingern ausgehend, waren noch die Spuren von dem goldenen Szepter sichtbar, das jeden Pharaonen ins Grab begleitete. Mit Spannung harrte man des Augenblicks, wo die Gesichtszüge des Mannes freigelegt sein würden, der die Kinder Israel aus demFrohndienste entliess. Endlich sah man einen länglich gewölbten Schädel, eine kühn gebogene Habichtsnase, sein langes, scharfgeschnittenes Kinn, die Lippen schmal und voll Energie. Nur die Augen, deren Schimmer bisweilen vielleicht den Ausdruck harter Entschlossenheit im Gesichte gedämpft haben mochten, fehlten, um das Bild vollständig zu machen. Ein koipulenter, alter Mann, fast klein von Statur, war es. mit dem Moses zu rechten hatte. Seine Zähne musste er schon früh verloren haben, nur am Oberkiefer ragte noch ein einziger hervor. Seine letzten Lebensjahre mögen nicht in ungetrübtem Glück verflossen sein, die Haut hängt ganz schlaff um den Körper, als ob er von einer verderblichen Krankheit heimgesucht worden sei. Die Arterien sind verfallen und die fehlenden Zähne werden ihn, abgesehen von den Leiden seiner Krankheit, von den Freuden der Tafel ausgeschlossen haben.

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