Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 1 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 No. 1 LITERATURBLATT Schilderung der persönlichen Beziehungen Kants zu jüdischen Kreisen und des starken Einflusses, den seine Philosophie auf das gebildete Judentum seiner Zeit ausübte. Dieser Einfluss ist darum von hoher geschichtlicher Bedeutung, weil er in die Zeit fällt, in der sich das moderne Judentum bildet und weil er so die religiöse Entwickelung des modernen Judentums wesentlich bestimmt hat. Wenn Kant selbst dem Judentum in religiöser Beziehung ohne innere Teilnahme ja selbst scharf’ ablehnend gegenüberstand, so gibt sein Urteil über das Judentum im wesentlichen die in letzter Linie auf Spinoza zurückgehende Anschauung der damaligen Zeitliteratur, wieder. der er sich allerdings um so bereitwilliger angeschlossen hat. weil sie es ihm ermöglichte, alles was der von ihm angestrebten idealisierenden Umdeutung des Christentums widerstrebte, als' Beisatz jüdischer Geister zu beseitigen. Nur so erklärt es sich, dass ihm selbst seine tiefe innere Gemeinschaft mit den Grundideen des Judentums entgehen konnte. Diese Gemeinschaft wurzelt in der gleichen Grundauffassung von dem Verhältnis des Menschen zum Sittengesetz und geht folgerichtig durch die gesamte Auffassung der sittlichen Persönlichkeit und ihrer Beziehung zur sittlichen Gemeinschaft, wie sie sich in dem Universalismus des Judentums und dem sozialen Geist seiner Sittlichkeit bekundet, hindurch. Die Gleichheit der sittlichen Denkweise setzt sich auch in die eigentlich religiöse Ideenwelt hinein fort, die bei Kant wie beim Judentum eben entscheiden von dem Problem der Sittlichkeit her bestimmt wird. In der religiösen Wertung des Individuums und der religiösen Betrachtungsweise der Geschichte treffen beide in dem Typus der Religiosität zusammen, dem die religiöse Entwickelung des modernen Geistes mehr und mehr zustrebt. Auch dieser Vortrag fand allseitig den wohlverdienten Beifall. — Der Generalversammlung war vormittags eine Auss’chussitzung vorausgegangen, in der hauptsächlich über das Corpus Tannaiticum and die Germania Judaica beraten wurde. Beide wissenschaftlichen Unternehmungen nehmen erfreulichen Fortgang. Mit grossem Beifall nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, dass der erste Band des Maimonideswerkes vorliegt und in wenigen Tagen auf dem Büchermarkt erscheinen wird. Aus dem Jahresbericht ist noch hervorzuheben, dass der erste Band der gesammelten Schriften David Kaufmanns fertig gestellt ist und den Mitgliedern der Gesellschaft kostenlos zugesandt wird. Ausstellung eines jüdischen Künstlers ln Wien. Der jüdische Maler Richard Polt a k - K a r 1 i n , ein Prager Künstler, der durch seine Teilnahme an der Jahresausstellung im Prager Kunstvereine stets die Aufmerksamkeit des Publikums geweckt hat und dessen aafsteigender Entwicklungsgang mit Interesse verfolgt zu werden verdient, eröffnete am 1. Januar 1. J. eine Ausstellung seiner Arbeiten im Salon Miethke in Wien. Der Künstler hat erst kürzlich einen namhaften Erfolg in Berlin zu verzeichnen gehabt, indem sein Porträt des bekannten Wiener Schauspielers Gustav Maran, das er dort in der Ausstellung jüdischer Künstler gezeigt hat, allgemeinen Beifall fand. Zunzstiftung! Die Zunzstiftung unterstützt ausnahmslos nur solche Arbeiten, welche inhaltlich und methodisch die Wissenschaft des Judentums fördern# Nur Anträge in deutscher Sprache, welche mit vollständigen, ein Urteil ermöglichenden Unterlagen versehen sind, werden berücksichtigt. Diese sind bis zum 1. Mai 1908 dem Unterzeichneten stellvertretenden Vorsitzenden einzureichen. Für das Jahr 1908 sind überhaupt 1900 Mark verfügbar. Berlin, im Januar 1908. Das Kuratorium der Zunzstiftung. F. Lieber/mann. Stellvertretender Vorsitzender, Bendlerstrasse 10. Dr. H, V. Simon, Justizrat.