Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 1 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 LITERATURBLATT No. 1 zu ängstlich ist, eigne Meinungen zu äussern und auch vor kühneren Schlüssen dann nicht zurückschreckt, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit vorzuliegen scheint. Diese Geschichte der althebräischen Literatur ist aber nicht als Forschung gedacht sondern als eine Einführung in das weite Gebiet biblischer Literaturforschung für den Laien. Das ist um so schwieriger, als eben der Laie noch weit mehr als der Fachmann die Tendenzen von Gottes Wort und andererseits der Abweisung dieses Gottesworts, der Feindschaft gegen die von Juden stammende Literatur und anderen Anschauungen und Vorurteilen sich zu eigen macht. Er trägt daher seine falschen Ansichten in die Worte des Autors hinein und liest aus ihnen etwas heraus, was keineswegs darin steht. Das ist um so gefährlicher, als der Laie eher dazu kommt Kritik der Bibel vermeintlich zu treiben, als wirklich die Bibel und gar in ihrem Urtexte zu lesen. Budde aber versteht es, den richtigen Mittelweg zwischen Volkstümlichkeit und ernster Forschung zu treffen. Er gibt einen Hinweis auf die Forschung, deutet an, auf welchem Wege und aus welchen Gründen $ie zu der Annahme dieser Resultate kam und gibt dem Leser, der sich für das Mitdurchdenken der Fragen ’nteressiert, Fingerzeige, die wertvoll werden, wenn der Leser der Literaturgeschichte nun auch den sehr selten gewordenen Schritt tut, die Bibel wirklich zu lesen. Und dass Budde dies bewirken wird, ist um so anerkennenswerter, als es heute beinahe mehr Leute gibt, die die Bibel kritisieren als solche, die sie wirklich einmal gelesen haben. Der Leser lernt von ihm die Vorsicht, die notwendig ist, wenn man Resultate in der biblischen Forschung als sicher hinstellen will. Buddes Darstellung der althebräischen Literaturgeschichte ist getragen von dem Geiste ernster Forschung und durchdrungen von dem ernsten und ehrlichen Suchen nach Wahrheit. Dazu kommt eine glänzende Form der Darstellung, der man das tiefe Empfinden für die Schönheit der Bibel auch dort nicht absprechen darf, wo man Buddes Meinungen nicht teilen kann. Das Wertvollste an seiner für die Masse der Gebildeten gemeinverständlichen Darstellung ist es aber, dass er einen schüchternen Blick in die Gelehrtenarbeit werfen lässt. Man sieht gleichsam, das Werden der literargeschichtlichen Darstellung. In ähnlicher Weise hat sich Bertholet seiner Aufgabe der Darstellung entledigt, der mit demselben versteckten Ausblick auf die spätere Geschichte des Christentums seine Geschichte der Apokryphen und Pseudepigraphen ausklingen lässt. Der gleiche Geist weht in beiden Teilen des Werkes und was von Budde gesagt wurde, gilt zum Teil auch von Bertholet. In den letzten Jahren hat besonders die metrische Forschung auf dem Gebiete der hebräischen Schrifttums viel Unheil angerichtet und