Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 18 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1 52 N0. 18 LITERATURBLATT und Bibel nicht den ganzen Umfang dieser Bedeutung zu erschöpfen ge■ sucht. Das Gebiet der Keilinschriften erstreckt sich weit über Mesopotamien hinaus bis nach Vorderasien. Palästina und Ägypten und enthüllt den geistigen Zusammenhang der alten Kulturen diesen■ Länder, ohne dessen Kenntnis eine richtige Betrachtung der altorientalischen Geschichte unmöglich ist. Die Ausgrabungen haben die Berichte der Bibel über Babylonien und Assyrien aufs glänzendste bestätigt und1 gewähren Licht bis hinauf ins fünfte Jahrtausend vor Christus, also weit über die ältesten Pyramidenerbauer hinaus. •Mit Assur beginnend, wurden nun die Ergebnisse der Keil- Inschriften über die Reihe jener Herrscher vorgeführt: der Stierkoloss, Belagerungsszenen, Schlachtenreliefs und Löwenjagden versetzten in jene Tage des alten Ninive, das, wie später Babylon, so oft in der Bibel er- *vä'hnt wird. Seine Könige Assuirbanipal (650 v .Chr.), dessen Bruder Schamaschtmukin den Tod in den Flammen fand, Asarhaddon, dessen Siegesdenkmal erst vor 16 Jahren entdeckt ward (Tyrrhaka 670), Sancherib mit seinem Zuge gegen Chiskijah (701) wurden nahegerückt, bei letzterem Herrscher Assurs ein interessanter Vergleich mit dem biblischen Berichte angestellt, der gerechtfertigt erscheint. Dann ging es noch weiter zurück auf Sargon II., Salmanassar II., also ins IX. Jahrhundert, wo Israel zuerst mit Assur in Berührung kam. Ein1 Obelisk: ist besonders merkwürdig durch das oberste Reliefband, das uns die Tributleistung des Königs Jehu darstellt, wieder im׳ Einklang mit der Heiligen Schrift. In den achtziger Jahren fand man das Denkmal, das uns durch die Fülle seiner szenischen Reliefs in alle Gebiete jener Kultur einführt (Salmanassar) und, wenn auch die Perspektive nicht unseren Anforderungen entspricht, doch einen ausserordentlichen Kunstsinn' bekundet. Weiter zurück ging es in das altbabylonische Reich, also in die zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus, mit einer Kultur, die sich auf Hethiter, Kanaan, Ägypten usf. erstreckt. In Ägypten fand 1888 eine arabische Bauersfrau zufällig einen Keilinschriftsatz aus der Zeit Amenophis IV. (Kuenaten). Die Funde von Tellal-Amarna wurden detailliert behandelt. In babidonischer Schrift und Sprache liegt da in 200 Tafeln und Zylindern aus ungebranntem Tone die Korrespondenz der Pharaonen mit asiatischen Fürsten vor uns, ״aus einer Zeit“, sagt der Vortragende, ״wo wir uns den Auszug der Kinder Israels aus Ägypten vorstellen“. Gekneteter Nilschlamm diente als Material für die Täfelchen. Redner legte die Wichtigkeit der Funde für die sprachliehen Verhältnisse und sonstigen Beziehungen jener Völker dar. Baby- Ionisch spielte, damals die Rolle des heutigen Französisch. In Kanaan trafen die Hebräer das alte Kanaanitische, das mit hrem ursprünglich arämäischen Idiom die nächste Verwandtschaft hatte.