Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 14 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu 9. Herausgegeben ״״Jüdische Rundschau Jahrg. XU. No. 39 u von Br. Heinrich £oeve. (? Redaktion; BERLIN N.W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 14 Berlin, 19. Tischri 5668 — 27. September 1907 Jahrg. III Wasmann, Wohlgemuth, Wissenschaft Von Dr. Elias Auerbach. Ungern nur tritt der Referent an die Besprechung einer Schrift heran, die Dr. Josef Wohlgemuth*) den von dem Jesuitenpater Wasmann im letzten Winter iin Berlin gehantenen Vorträge^ widmet. Mit Sicherheit wird gegen den Kritiker der Vorwurf gerichtet werden, dass er religiöse Gefühle verletze. Aber in dem ruhigen Bewusstsein, dass ihm dies weltenfern liegt, dass er jede religiöse Meinung als solche respektiert, findet er den Mut zur Besprechung dieser heiklen Fragen, die für ihn wie für tausend Andere ein Angelpunkt seiner inneren Entwicklung waren. Solange, die Aufsätze Wohlgemuth’s in den verschwiegenen Spalten des ״Israelit“ nur einem beschränkten Leserkreise Vorlagen, war nichts gegen sie einzuw’enden; nachdem sie als eigenes Büchlein der breiten Oeffentlichkeit übergeben sind, muss Wohlgemuth es sich gefallen lassen, dass man seine Schrift als einen unerlaubten Uebergriff in das Gebiet der Naturwissenschaft kennzeichnet und zurückweist. Pater Wasman hat in drei Vorträgen und der silch anschliessenden Diskussion sich bemüht zu zeigen, dass die moderne Entwicklungslehre, soweit sie berechtigt ist, sich mit der Religion (d. h. mit den Dogmen deir christlichen Lehre) vereinigen lässt, und dass sie unberechtigt da ist, wo das nicht der Fall ist. Mit seinen Ausführungen haben wir uns hier nicht zu beschäftigen, oder wenigstens nur da, wo Wohlgemuth sie sich zu eigen gemacht hat. Die Frage, von der Wohlgemuth ausgeht, lautet: Wie weit kann das Judentum die moderne naturwissenschaftliche Entwicklungslehre anerkennen? Die Frage ist von vornherein verfehlt, überflüssig und unjüdisch. Unjüdisch ist sie, weil bis in die neueste Zeit das religiöse Judentum sich nicht auf Dogmen festgelegt hat, die den Anspruch *) Die Vorträge des P. Erich Wasmann in Berlin. Von Dr. Josef Wohlgemuth, Dozent am Rabbinerseminar zu Berlin. Frankfurt a. M., Verlag des Israelit, G. m. b. H. 1907.