Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 9 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 LITERATURBLATT No. 9 gewöhnliche Erscheinung, die Wassermengen sickern allgemach in die Tiefe und bilden sich unter der Erdoberfläche einen neuen Stromlauf. Ein solcher, oder zumindest ein weitverzweigtes Netz von Bächen, befindet sich heute im Tale Josaphat; man hat das offenbar schon früh erkannt, manche Ausgrabungen mussten den Beweis liefern und daraus entstand wohl der Entschluss, diese Wassermengen sich zugänglich zu machen. Die Tradition berichtet, dass man schon in alten Zeiten im Nordwesten Jerusalems, am Damaskustore, zuweilen ein unterirdisches Rauschen wie von fliessendem Wasser hörte; nicht weit davon befindet sich die als Grab der Jungfrau bekannte Krypta. Über 50 Stufen schreitet man hinab zu einer Tiefe von 11 Metern; dort ist ein Saal, in dem schon in ältester Zeit Gottesdienste verrichtet wurden In diesem Saal sprudelt eine üppige Quelle und die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Suchen nach Wasser der Grund zu den grossen Bohrungsarbeiten war, die mit der Anlage dieser Krypta verbunden waren. Auch in der Nähe von Sitoah findet man in der Tiefe einer Grotte eine solche Quelle, die man heute die. Quelle der Jungfrau nennt und die zweifellos mit der Julblischen Quelle von Gichon identisch ist. Im Tale Hinnom gibt die Quelle Hiobs Wasser aus einer Tiefe von 38 Metern, und so finden sich noch viele Hinweise auf das Vorhandensein unterirdischer Flüsse und darauf, dass die alten Bewohner Jerusalems diese Naturerscheinung kannten und sich bemühten, aus ihr Nutzen zu ziehen. . Ausstellung Pilichowski. Die Ausstellung unseres Freundes Leopold P i 1 i c h 0 w s k i, die seinerzeit in London und Köln wegen ihre!• vorzüglichen malerischen Qualitäten und des tiefinnerlichen jüdischen Empfindens, das aus den Bildern spricht, Aufsehen erregte, befindet sich zurzeit in Frankfurt a. M. In der FRANKFURTER ZEITUNG schreibt der bekannte Kunsthistoriker Dr. Paul Ferd. Schmidt darüber folgendes: ״Ein interessanter Maler stellte seine Bilder bei S c h a m e s aus, der in Paris lebende Pole L. Pilichowski, ein Schüler vonConst-ant. Er nutzt die grossen modernen Muster nicht nach der mitunter spielerischen Weise seiner Landsleute aus, die den Tyrannen so oft Übertyrannen, den Symbolismus übersymbolisieren möchten; er arbeitet mit zähem Ernst an seinen Problemen, mit der Zähigkeit des rassigen Juden. So eindringlich, wie seine trocken modellierende Technik ist, geht er der Erscheinung des Äussern. der sprechenden Geberde, dem sozialen Charakter zu Leibe. Die wertvollsten seiner Bilder, die, in denen er sich am freiesten ausspricht und Ausdrucksmittel neuer Art hervorholt, sind Studien und Szenen aus dem polnisch-jüdischen Ritualleben, die uns mit orientalischer, fremd gewordener Inbrunst berühren. Hier eben lieg! die Heimat seiner Seele, seines Denkens und Fiihlens Mittelpunkt, und er ist darum so überzeugend.‘‘ Die Ausstellung wird Anfang Mai in Wiesbaden zu sehen sein. Wir wir hören, beabsichtigt Herr Pilichowski auch auf dem VIII. Kongresse eine grössere Sammlung seiner Gemälde auszustellen Professor Dr. Ernst Sellin reiste am 26. März nach Triest ab, um von dort neuerlich eine Reise nach Palästina anzutreten. Es ist ihm gelungen, sich für eine Domäne des Sultans, auf der sich das Trümmerfeld des alten Jericho befindet, eine Ausgrabungsbilanz zu erwerben. Professor Sellin erwartet von seinen Grabungen besonders für die vorisraelitische Geschichte der von Josua zerstörten Stadt reiche Aufschlüsse. Die erste Qrientierimgsgrabung soll nur .!einen Monat währen. In Begleitung Sellins befinden sich einer seiner Schüler und der Architekt TheophiL Niemann. Die Kosten der Reise trägt ztfrn Teile das österreichische Ministerium für Kultus und Unterncht und einige reiche Gönner.