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Jüdische Rundschau · 1907-04-26 · 8 (26.4.1907) · p. Seite 72

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
8 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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LITERATURBLATT No. 8 Monismus und seine Auffassung vom Parallelismus des geistigen und körperlichen Geschehens. Der Satz, dass jede Wirkung ihre Ursache habe, klingt heute trivial, weil er jeder wissenschaftlichen Forschung als ganz selbstverständlich zugrtmde liegt; aber Spinoza hat mehr als irgend ein anderer diesem Satz zum Durchbruch verholten, und gleichzeitig jenen naiven teleologischen Wahn zerstört, als ob alles um des Menschen willen da sei. Darin freilich, dass er alle Teleologie überhaupt leugnete, schoss er weit über das Ziel hinaus, insofern ein streng kausaler Weltzusairwmenhang den teleologischen Gesichtspunkt keineswegs ausschliesst. Allein dies lag in der Konsequenz seines Begriffes von der Substanz, aus der die Dinge mit mathematischlogischer Notwendigkeit, ohne innere Freiheit der Substanz, also auch ohne zwecksetzenden Willen folgen. Entwickelungsgeschichtlich betrachtet, war es überdies von grosser Wichtigkeit, dass zunächst die Anschauung vom lückenlosen kausalen Weltzusammenhang zum Siege gelangte; ihre Verbindung mit einer haltbaren Teleologie konnte einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, in welcher die zur Macht und Geltung gelangte Entwickelungsidee einer teleologischen Auffassung des gesamten Weltprozesses Bahn brechen sollte. Was ferner die Idee einer durchweg herrschenden physischen Kausalität, den sogenannten Determinismus, betrifft, so wird Spinoza hier zum mindesten das Verdienst für sich in Anspruch nehmen dürfen, dass wesentlich durch ihn dem Problem von der menschlichen Freiheit in der neueren Philosophie eine so wichtige Stelle eingeräumt worden ist. Weiter kann seine Anschauung vom Parallelismus zwischen körperlichem und geistigem Sein noch heute nicht als überwunden betrachtet werden. Im Gegenteil! Das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, das auch die Auslösung einer physichen Kraft durch eine seelische Bewegung und umgekehrt auszuschliessen scheint, ist eine nicht zu unterschätzende Stütze für diesen Parallelismus geworden. Endlich genügt ein flüchtiger Hinweis auf den modernen Monismus, so mannigfache Schattierungen dieser auch zeigen mag, um zu erkennen, was der Name Spinozas für .die Wissenschaft und Weltanschauung bedeutet. (Schluss folgt.)

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