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Jüdische Rundschau · 1907-03-29 · 7 (29.3.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
7 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ,Jüdische Rundschau“ Jahr* XII. No. 13/14 Q Herausgegeben von P Pr. jjeinrich Coewe. Redaktion: BERLIN N. W. 52, Meianchthonstrasse 4. No. 7. Berlin, 14. Nissan 5667 —29. März 1907 Jahrg. III Börrres von Münchhausens Balladen (F. A. Lattmann. Goslar 2. Aufl.) ״Wirklich, die alten Juden waren Aristokraten, so gewiss wie es die alten Juden, vorzüglich im Osten, heute noch sind, und so gewiss wie die frejsinnigen Berliner Börsenherren längst auf den entgegengesetzten Pol herunteravarciert sind. Denn Adel heisst: Festhalten am Alten, Stolzsein auf Rasse, Religion und Geschlecht, Selbstbewusstsein der vererbten Eigentiimlichkeiten an Körper und Seele. Aber das lässt sich taufen, ändert mit unmerklichem Verschieben der Namen ins Germanische, ruft sich ״Siegfried“ und ״Herbert“ und versteckt feige jedes Zeichen seiner Rasse. Und sowas bildet sich dann ein, dass sich irgend ein Germane dadurch täuschen oder zum Wohlwollen bekehren Hesse!! Es ist ein Trost, dass ihre edelgebliebenen Starnmesgenossen ihre erbittertsten Feinde sind!“ So urteilt der Dichter des ״Juda“ über das Volk der Juden! Ich entnehme dies Zitat seiner vorzüglichenAbhandlung ״Zur Ästhetik meiner Balladen“ aus den letzten Heften des Jahrgangs 1906 der DEUTSCHEN MONATSSCHRIFT. Es ist auffallend, dass unsere jüdischen Brockensammler der Literatur, die sonst jedes Wörtchen über Juden, das nur irgend aus bekannten Munde gefallen, durch׳ die Blätter schleifen, bis heute sich von diesem interessanten Satze nicht wissen ־machen. Aber es ist erklärlich genug: Die Presse der Juden, welche er so iibel mitnimmt, kann sich nicht einmal rächen, in dem sie. ihn zum bösen Antisemiten stempelt*־- nachdem sie ihn früher als den weissen Raben als den, von echt liberalem Geiste erfüllten Freiheitsdichter gefeiert hat. Wie peinlich, jetzt das Miss- Verständnis einzugestehen! Aber־ die andern, ״edlen“ Juden schweigen auchwo lässt sich auch in einem Artikel über diesen Mann das Wor/ von dem ״demokratischen Geist“ des Judentums anbringen, ohne das sich doch nach langer Übung schlechterdings nichts schreiben lässt! Da wundern sich unsere Freunde über Schalom Aschs Bordteilwirt über den Jankel mit der doppelten Moral. Und sie ahnen nicht, dass sie ganz ebensolchen Doppelboden in ihrer Seele haben. Wie kann man roter Demokrat in Preussen und adelsstolzer Palästinaagrarier sein, — oder, wie kann ein radikaler Umstürzler täglich Tephiliert legen?! In uns allen gähnt ein tiefer Spalt 1

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