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Jüdische Rundschau · 1907-01-11 · 1 (11.1.1907) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
1 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 No. 1 LI TER ATU RBJ. ATT Aeltere Nachrichten über die Judengemeinde zu Kaiserslautern Von D. Häberle, Kaiserl. Rech.-Rat, Heidelberg־. Nach den von Herrn Julius Küchler herausgegebenejn u!nd zurzeit in Buchform erscheinenden Ratsprotoköllen der Stadt Kaiserslautern wurde am 12. November 1658 ,ein Häuslein in der Jud'engasse verkauft. Anknüpfend an diese Notiz, wirft Herr Küchler S. 236 die Frage auf, ob Israeliten in der Stadt wohnhaft gewesen seien, da sich ausser obiger Nachricht noch kein Nachweis für dieses Faktum gefunden habe. ״Nach Stadtprivileg durfte sich kein Israeliite in Lautern ansässig machen, noch übernachten; sie mussten sogar am Tore einen Judenleitszettel lösen.“ Aus dem Namen Judengasse müssen wir aber mit Bestimmtheit annehmen, dass auch in unserer Stadt schon früher eine Judengemeinde bestand, der jene Strasse als Ghetto zur geschlossenen Niederlage überwiesen war. Nachweislich kommen Juden bereits um das! 9. Jahrhundert in den 'Städten am Rhein vor, doch lebten sie in keineswegs beneidenswerten Verhältnissen, da die kleinem Feudalherrn sie durch hohe Abgaben drückten, bis der Kaiser sie als des Reiches Kammerknechte gegen Entrichtung bestimmter Steuern in seine Obhut nahm. Dieses Schutzrecht wurde, wie wir im felgenden gleich sehen werden, als königliches Regal auch an die Landesherren Übertragens dadurch erlitten die Juden eine Einschränkung in ihrer Freizügigkeit und bedurften der oben erwähnten Geleitszettel. Trotz wiederholter, vielfach durch religiösen Fanatismus im Zeitalter der Kreuzzüge entfachter Verfolgungen und Bedrückungen, bei denen z. B. die Gemeinde in Speyer vorübergehend: im 11. Jahrhundert vo'lständig ausgerottet wurde, erhielten sich zahlreiche Judengemeinden bis ins 15. Jahrhundert. Damals fand aber in ganz Deutschland eine allgemeine Judenaustreibung statt (in Speyer 1435), nachdem schon in der verhängnisvollen Pestzeit 1348—1349 durch Massenmord an Hunderten von Orten gegen sie gewütet worden war. In manchen Gegenden verschwanden in dieser Periode der Verfolgung die Juden auf längere Zeit, die Zurückgekehrten wurden wieder z. B. aus der Pfalz 1555 von neuem ausgewiesen. Da die Ratsprotokolle erst mit dem 3. Juni 1566 beginnen, ist es leicht erklärlich, dass Herr Küchler über die Judengemeinde nichts in den Akten finden konnte. Dass aber schon sehr frühe Juden zu Kaiserslautern ansässig waren, beweist eine in der Trierer Stadtbibteothek abschriftlich verwahrte Crkünde vom 2. Januar 1344. Damals übertrug Rose Welen auf dem Gericht zu Lautern unter dem Vorsitz von Ecke Thirolfs Sohn in Gegenwart von mehreren namentlich auf geführten Zeugen, darunter auch die Juden Bennat Mennitten und Jakob Moses Sohn, sein Leib und Gut nach dem Stadtrecht an Erzbischof Balduin von Trier, den damaligen Pfandherrn des Reichs-

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