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Jüdische Rundschau · 1906-12-21 · 26 (21.12.1906) · p. Seite 214

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
26 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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1*™יי?" IW ,‘füll* 214_LI I ER ATU RBL ATT_No. 26 Notizen Vom ewigen Juden In der Sitzung des Berner Historischen Vereins vom 23. ds*. trug Dr. H e i n r. Dü bi eine eingehende Untersuchung über die Legende vom e v i g e n Juden vor, die in Italien in einem engern Zusammenhang mit der Pilatus- und mit der Tannhäuser-Sage steht, aber auch in der Schweiz heimisch wurde, indem sie hier eine besondere lokale Färfcung annahm. Ihre erste schriftliche Fixierung fällt in die ersten Jahrzehnte dies 13. Jahrhunderts. Nach dem Berichte englischer Chronisten erzählte ein armenischer Erzbischof, der 1228 nach England kam, von einem frommen in Armenien lebenden Manne, namens Cartaphilus, der bei Pilatus Pförtner gewesen war und Jesu nach seiner Verurteilung beim Verlassen des Gerichtssaales einen Stoss gegeben hatte, weshalb er immertfort leben muss, um für Jesus Zeugnis abzulegen. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts ist diese Form der Sage durch eine neue abgelöst worden, die von einem Juden Boute-Dieu (der Gott geschlagen hat), später Joh. Buttadeus genannt, erzählt, der zu Jerusalem lebte und zur ewigen Ruhelosigkeit verdammt war. Sen Haus wurde in Jerusalem vom 13—16. Jahrhundert gezeigt, und er selbst soll vom 13. bis 15. Jahrbundert öfters in Italien gesehen worden sein. Man hat novellenartige Berichte von kulturhistorischem Interesse über einen Mann, der 1400 und 1416־ die Rolle des Giovanni Buttadeo an verschiedenen Orten in Italien gut spielte. Nach einigen Vorläufern erschien im Jahre 1602 ein mit dem Bruckoirt Leyden versehenes, aber von Joh. Schröter in Basel gedrucktes Buch, das zum wahren Volksbuche wurde und eine ganze Flut gleicher Schriften hervorrief. Der ewige Jude trägt hier den Namen Ahaaverus. Er war Schuster in Jerusalem und hat dem nach Galgatha gehenden Jesus das Ausruhen auf seiner Tiirschwelle verweigert. In der Weiterbildung• kamen wohl durch mündliche Tradition eine Reihe volkstümlicher Züge in die Legende so in der Schweiz, wo der Jude ähnlich Chidder, dem ewig jungen, bei seinen Wanderungen die Gegend stets in schlimmerem klimatischem Zustande findet. Am Matterjoch trifft Ahasver zuerst eine Stadt, dlann Weiden und endlich eine Schnee- und Felswüste, und die Leute von Goms sind bei seinem ersten Besuche mit der Weinernte beschäftigt, bei seiner zweiten Wanderung durchschreitet er einen Tannenwald und zuletzt kommt er durch eine Eiswüste. Auch in Leissingen, in Gsteig bei Saanen, in Blumenstein, in Endingen,, im Fricktal, in Suhr, im Kanton St. Gallen ist die Sage lokalisiert. Merkwürdig ist die Nachrieht des Pfarrers Ulrich von Zürich, der 176 nach!einer ihai selber utiglaublichen Mitteilung eines Berners berichtet, in der Berner Stadtbibliothek werde der Stab des ewigen Juden und ein aus 100 Flickstücken bestehendes Paar Schuhe aufbewahrt. In der dem sehr verdankten Vortrage folgenden Diskussion machte Pfarrer A. Haller auf die in d!er Salpetrieere in Paris schon öfters bei Juden aus dem Oriente konstatiertem Wanderkrankheiten aufmerksam, die bei ein einen Erscheinungen des ewigen Juden zugrunde gelegen haben kann. Petersburg. Vor drei Wochen wurde das Jubiläum des bekannten Gelehrten Di:. Albert Harkavy, eines der hervorragendsten Orlen-!allsten unserer Zeit, mit einem grandiosen Bankett gefeiert. Glückwünsche Depeschen und Adressen waren aus allen Ländern .eingelaufen, u. a. von der Petersburger jüdischen Gemeinde, von der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek usw. Dr. Markau machte auf dem Bankett Mitteilung von einem grossen wissenschaftlichen Sammelwerke, das zu Ehren des Jubilars unter Mitwirkung bekannter Gelehrter unter seiner Redaktion in Bälde erscheinen wird. Dr. Harkavy wurde 1839 in Nowsgrudek geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Kaufmann und dabei ein gelehrter Talmudist.

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