Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 25 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8295971-9045928-8238371--427-8190055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
LITERATUR BL ATT No. 25 9 O 00 ׳-* des in Qott ruhenden Vorstehers Joseph aus Düsseldorf und Schwiegersohr! des verstorbenen Herrn Simon Pressburg aus Wien“ auf Pergament geschrieben. Jeder Anfangsbuchstabe ist ein Meisterstück der Schreibkunst, was dieser Arbeit aber einen besonderen Wert verleiht, das sind die den Text begleitenden, prächtigen und farbenfrischen Malereien. Selbst das ״Chad gadja“ ist mit allerliebsten Bildern geschmückt. Was nun den ersten Besitzer dieser Haggada anlangt, so steht fest, dass im ersten Viertel des ld. Jahrhunderts ein Lazarus (Elieser), Sohn ,von Joseph aus Düsseidorr, eine hochachtbare Stellung am kurfürstlichen Hofe daselbst einnahm. Du ich eine Urkunde v. J. 1723 ernannte der Kurfürst den Lazarus van Geldern zu seinem Hoffaktor. Lazarus van Geldern war der Urgrossvater Heines. Simon Pnessburg ist nach Prof. David Kaufmann der im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts in Wien verstorbene Simon Michael aus Pressburg, der einer der ersten Mäcene und Schutzanwälte in der damaligen österreichischen Judenbeit war. Hunderttausend Mark für eine Handschrift Isaac, der Sohn Amrams des Zweiten, des Hohepriesters der jüdischen Samaritersekte, hat, wie aus London gemeldet wird, aus Nabul eine sehr seltene Handschrift nach London gebracht und wegen bitterster Not zum Verkauf angeboten. Es ist eine vor tausend Jahren gefertigte Abschrift der beiühmten Originalübersetzung des Pentateuch aus dem Hebräischen ins Samaritanische. Isaac •verlangt hunderttausend Mark für die Rolle. Sie ist 21 Fuss lang und in Abschnitten mit kleiner, aber klarer samaritanischer Schrift geschrieben. Das Ende ist etwas durch Wasser beschädigt, aber das Anfangskapitel zeigt sich unversehrt, was bei diesen Schriftrollen selten ist. Eingesandt Geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie höflichst folgende Feststellungen in ihrer nächsten Nummer abzudrucken: 1. Herr Josef Lin hat sich trotz der Antikritik des Herrn ״Iwrii“ in der JÜDISCHEN VOLKSSTIMME vom 15. Nov. 1906 eines literarischen Deliktes schuldig gemacht, wie ich in meiner Kritik des ״Jüdischen Volkskaienders“ nachwies. Unter den Begriff der Fälschung ist nämlich nicht nur ein etwaiges Plagiat, sondern auch die bewusste Entstellung eines Dichterwerkes zu subsumieren. Und es heisst doch wohl, eine arge Entstellung begehen, wenn man zirka ein Vierteil einer Arbeit für das Ganze ausgibt und nebenbei noch etliche kleinere Streichungen sich erlaubte. Wenn Herr Lin die persönliche Verantwortung für seine Verstümmelung der ״Schatten“ hätte tragen wollen, dann müsste er der Skizze etwa den Titel ״Aus den ״Schatten“ von Feuerberg‘‘ geben und dürfte, da e.־ frei. d. h. in diesem Falle falsch übertrug, nicht von einer Übersetzung, sondern höchstens von einer Nacherzählung sprechen. Ich halte also meine Beschuldigungen in (vollem Umfange aufrecht, weil sie durch die Sophismen des Herrn ״Iwri“ nicht widerlegt wurden. 2. Auf die allgemeinen Erörterungen über das Wesen der Kritik, worüber Herr ״Iwri“ mir ein Privatissimum lesen will, näher einzugehen, halte ich unter meiner Würde. Für mich sind seine Äusserungen nur ein Beweis, dass er von der Art und der Bedeutung literarischer Kritik keinen Dunst hat. Ich schliesse für meinen Teil die Diskussion. Mit Zionsgruss D r. Josef M e i s 1.