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Jüdische Rundschau · 1906-11-16 · 24 (16.11.1906) · p. Seite 194

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
24 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 LITERATURBLATT No. 24 unter dem Namen Jüdische Volkszeitung übernommen, wurde. Schon vorher hatte Birnbaum, dem die unpolitisch-palästinische Richtung Bamkus, die in oer Zeitschrift neben seiner eigenen besonders zur Geltung kam, dem Kopf der SELBSTEMANZIPATION, der bis dahin den Untertitel ״Orgai der Jüdisch-Nationalen‘‘ trug, abgeändert, so dass statt dessen ״Organ der Zionisten“ zu lesen war. Die Oktobernummer vom Jahre 1893 führte zum ersten Male diesen Titel. Auch der Präsident des Wiener Vereins Zion, Leopold Paul Löbl, war mehr ein Freund der praktischen als der politisehen Bewegung und somit ein weiterer Stimulus für Birnbaum, den Namen Zionisten anstelle des Jüdischnationalen zu setzen, der ihm weiter zu gehen und radikaler erschien. Seit dieser Zeit trat der Name Jüdischnational hinter der Benennung zionistisch zurück. Als anstelle der eingegangenen! JUEDISCHEN VOLKSZEITUNG die Monatsschrift ZION erschien und mehrere Jahre hindurch das kleine Zentralorgan der europäischen und europäisch gebildeten Zionisten war, bemühte sich dessen Herausgeber vergeblich, mit der jüdischnationalen Tendenz, die er uneingeschränkt vertrat, auch demi Worte jüdischnational Eingang zu verschaffen. Aber der Name ״Zionisten“ war bereits der Kampfesname geworden und bedeutete, je länger, je mehr, dem früheren Jüdischnational gegenüber immer mehr das Radikale, das Konsequente. In diese Zeit fallen die ersten wichtigen Besprechungen des Zionismus und seiner Geschichte ausserhalb des engen Kreises, in dem sie bisher bekannt waren. Dazu trug ausser der Reise, die 1895 Willy Bambus und der Herausgeber des ZION nach Palästina machten, um eine jüdische Palästinaausstellung in Berlin vorzubereiten, und die daran sich anknü'pfenden Agitationsreisen, besonders der Umstand bei, dass die FRANKFURTER ZEITUNG aus der Feder Nathan Birnbaums, der hier zum ersten Male unter dem Namen Matthias Acher schrieb, ein Feuilleton brachte, in dem ״die zionistische Bewegung“ in kurzen historischen Zügen entwickelt war. Vorangegangen war eine Roman-Utopie, die Osterberg-Verakoff unter dem Namen ״Judäa im Jahre 6000“ veröffentlichte. Als sich die Berliner Zionisten an den Autor wandten, erfuhren sie, dass er weder von der Existenz einer jüdischmationalen Bewegung etwas wüsste noch wissen wollte, und dass er nur eine solche Einkleidung für seine Utopie gewählt habe, tm deren Verwirklichung niemand in der Tat denken könne. Wichtiger war es, dass in der Wiener Literatur-Zeitung DIE NEUE REVUE von S'. Clemens (Pseudonym für S. Sokal) eine Würdigung des Zionismus erschien, die unter dem Namen ״Der auferstandene Sem“ auch auf die Geschichte der Bewegung ähnlich wie Birnbaum in der FRANKFURTER ZEITUNG einging. Eine grosse bis dahin unerreichte Agitation! war es, dass auf der Berliner Gewerbeausstellung im Jahre 1896 eine besondere jüdische Palästinaausstellung errichtet wurde, die vielen hunderttausenden jüdischen Besuchern zum ersten Male von der Existenz jüdischer Kolonien und der damit verbundenen jüdischpolitischen Nationalhestrebungen erzählte. Der Verein ,״Jung-Israel“ wurde damals freilich durch persönliehe Gehässigkeiten minderwertiger Elemente vernichtet.

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