Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 21 (26.10.1906)
- Date
- 1906-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literat der Jüdischen Rundschau Beilage zu *Jüdische Rundschau“ Jahrg. XI. No. 43 Q Herausgegeben von Br. Heinrich £oewe, Q Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 21. Berlin, 6. Marcheschwan 5667 — 26. Oktober 1906 Jahrg. II Vorgeschichtliches vom Zionismus Zweiter Zeitabschnitt. (Bis 1882.) Von Heinrich Loewe, (Fortsetzung.) Anders war es in Russland. Als hier der deutsche Antisemitismus 'hiniibergriff und sofort die üblichen russischen Formen annahm, war bereits e 1!e kleine geschlossene Partei vorhanden, die sich um die jüdischnationale Fahne scharte. Junge Studenten, darunter Ussischkin und •Schlaposchnikow, hatten sich bereits zu Vereinen mit ausgesprochenen uationaljiidischen, palästinischen Zielen zusammengeschlossen. Im Volke gab es bereits eine grosse Masse, die von der Kolonisation wusste und hoffte. Fin nationaler Zag ging durch die g’anze Volksseele. Bezeichnend ist hierfür die Geschichte, wie ein russisch-jüdischer Arzt seinen Weg zu seinem Volke zuriirkfand. Es war der Sohn des bekannten hebräischen Gelehrten S׳. Pit sker. Erstand seinem Volke bereits ziemlich fern, obwohl ihn Er- Ziehung und ein tiefes Gemüt mit unauflöslichen Banden an seine Brüder TuCpfte.' Aber seine Ideen waren scheinbar andere. Da waren es einige Tränen, die sein Vater am Tischäh-b’Abh in der Synagoge vergoss, als er die Leidensgeschichte jener zehn Märtyrer las, die zur Zeit des Hardrian zu Tode gemartert wurden, weil sie ihr Volkstum nicht aufgeben wollten. These Tränen aas dem Auge des Vaters um längst verschollenes nationales 'Unglück liess Pinsker Einkehr halten bei sich selbst und führte ihn zu der! Seinigen zurück. In Deutschland war ein Ausbruch des Judenhasses, wie er in Russland unter dem Einfluss der antisemitischen Bewegung in Deutschland emporflammte, unmöglich. Nicht dass der Deutsche dem Juden weniger Vorurteil entgegen brächte. Nicht deshalb, weil der Deutsche Angehöriger eines Kulturvolkes, der Russe durch und durch ein Barbar ist, sondern lediglich, weil der Preussische Ordnungsstaat keine Unordnung dulden kann. Der Staat selbst legt es aber darauf an, durch die Politik der Nadelstiche die Juden zu veranlassen, sich anzugleichen. Aber diese Assimilation soll keine halbe sein, sondern eine ganze, d. h. durch Taufe dokumentiert und durch Mischehe wirksam gemacht. Dagegen hat der Preussische Staat.