Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-10-11 · 19 (11.10.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
19 (11.10.1906)
Date
1906-10-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8295971-9045928-8238365--366-8190000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu C ״,Jüdische Rundschau“ Jahrg. XI. No. 41 Herausgegeben von Br. Heinrich £oeve, Q Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 19. Berlin, 22.Tischri 5667 — 11. Oktober 1906 Jahrg. H Dornen Kein Unbekannter ist es, der hier ypr das jüdische. Publikum tritt.*) Max Jungmann, der zuerst .sich durch seine leider zu iriih entschlafene JUEDI- SCHE MODERNE in einem intimeren Kreise einen vorzüglichen Namen erworben hat, und! der ums! dann im SCJILEMIEL;die erste jüdisch-politische Witz- und satirische Zeitschrift beschert hat, tritt mit einer ersten Satnmlung' von Gedichten an die Oeffentliclikeit. Sein S'CHLEMIEL hatte uns bereits offenbart, welche ausgeprägte: Eigenart Jungmann .unverkennbar auszeichnet und! seine leider zu wenig beachteten ,.;Irrfahrten“ sind ebenfalls ein charakteristischer Beitrag zu diesem Charakter.. Denn Jungmann will nicht bloss, als Dichter״, sondern ganz besonders als Charakter beurteilt und gewürdigt werden, ohne dass damit verleugnet werden soll, dass seine dichterische Eigenart von einem so eigentümlichen Reiz ist, dass sich jeder damit befreunden muss, der je einmal von seiner Dichtung genossen hat,. Derb und herb, aber auch in feiner Erfindung schneitet Jungmanns Muse: daher, wenn man einen so einher trabenden Ausdruck von dem Werken eines Dichters gebrauchen darf, dessen Grösse und Bedeutung' zum grossen Teile auch in der Schlichtheit und Einfachheit seiner schönen und klarverständliehen Sprache liegt. Was Jungmaun schreibt, ist so klar, sofasslich, so einfach, so deutlich und verständlich,, wie kein anderer unserer modernen Dichter seine Sprache zu geben weiss, und doch ist es keine Sprache des, Alltagslebens, sondern der würdige Ausdruck seiner poetischen Gedanken. Diese poetischen Gedanken und Bilder sind aber nicht den zarten Blümeleim urd den still flüsternden Wellen, auch nicht den schneebedeckten Höhen gewidmet, es sind, auch keine Li-ebesverse und keine patriotischen Ergüsse, wenn auch die Liebe zu seinem Volke der ganze Grundgedanke und das mächtige Gefühl ist, das alle .seine poetischen Leistungen hervorruft. Die heissende! Satire, der feine Spott und der sprudelnde Witz sind alle niur ein Ausfluss einer und! derselben Liebe zum jüdischen Volke. Und wenn er sie Dornen nennt, seine. Gedichte,, so sind das, vielleicht Dornen, an denen sich die Feinde des jüdischen Volkstums die Hände zerr eisen können, erst Max Jungmann: Domen. Berlin: Leonhard Simion. 1906. (84 S'.) 8,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.