Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 16 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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N0. ltf LITERA TUR BLA T T _ J35 Judenviertel Ainsterdanis. und dieses Milieu beeinflusste natürlich in bedeutendem Masse sein Schaffen. Unter den Amsterdamer Juden, zumeist reiche marauische Flüchtlinge aus Spanien, fand Rembrandt vieles, was den Künstler und auch den Menschen in ihm anziehen konnte. Ausgrabungen Über die Beziehungen der neuesten ägyptischen Ausgrabungen zui Bibelforschung spricht sich in einem englischen Blatte der Oxforder Assyriologe Professor A. 11. Sayce aus. Mehr als anderswo, sagt ei* lockern in Ägypten die unerwarteten Resultate, die die Arbeit des Ausgrabenden belohnen, und verleihen seiner Tätigkeit etwas von der spannenden Aufregung des Spielers. So grub ich . E. im letzten Winter zu Gebel Silsila nach alten Gräbern. Die Gräber schienen nur von massige^ Wichtigkeit zu sein, aber plötzlich stiess ich auf die Überreste eines Tempels der 18. Dynastie, dessen Vorhandensein ich vorher absolut nicht dort vermutet hätte. Es ist' jedoch nicht nur das Ägypten der Pharaonen, dessen Geschichte ein freundliches Geschick uns aufbewahrt hat. sondern das Ägypten der Christen und der Mohammedaner ist ebenso wo! erhalten, und dann haben wir durch die Ausgrabungen der wenigen letzten Jahre gelernt, dass es wiederum der Boden Ägyptens ist. an den wir uns wenden Müssen, wenn wir die verlorene Literatur der klassischen Welt entdecken wollen. Papyrus auf Papyrus ist so ans Licht gfördert worden, bald aus einem׳Grab, bald aus den Schutthaufen und Scherbentrümmern einer alten Stadt und liier fanden sich Schriften des klassischen Altertums, die man bereits für unwiderbringlich verloren gehalten hatte. Da entdeckte man die verlorene Rede eines attischen Rhetors, da einen politischen Traktat des Aristoteles, dann wieder die amüsanten und lebensvollen Gesellschattsskizzen eines griechischen Dichters oder Werke Pindars und seiner Nebenbuhler. Die Entdeckung Petries, nach der die Bekleidungen mancher Mumienkästen der ptolemäischen Epoche aus fortgeworfener Makulatur zusammengesetzt sind, ist in ihren Resultaten sehr fruchtbringend gewesen. Dann habe^ Grenfell und Hunt mehrere Jahre hindurch au den Stellen, wo die alten ägyptischen Städte lagen, Ausgrabungen gemacht mit dem speziellen Zweck, die Prag' mente der Papyrusrollen, mit denen sie angefiilU ■waren, wieder zu Tage zu fördern, und so sind viele kostbare Schriftstücke der Welt wieder geschnkt worden. Die Ausgrabungen in Ägypten haben nicht nur auf die Bücher des neuen Testamentes und die Literatur der ersten christlichen Kirche neues Licht geworfen sie helfen auch viel zum Verstündnis der späteren Schriften des alten Testaments. Vor zwei Jahren wurde eine Reihe ziemlich vollständiger und wichtiger aramäischer Papyri in Assuan! entdeckt, an deren Herausgabe ich gegenwärtig arieite. Sie sind alle sorgfältig datiert und stammen aus einer Kolonie von Juden, die in den Zeiten von Xerxes I. und seinen beiden Nachfolgern in Assuan und Elephantine lebten. Diese Juden waren schon di Bankiers und Geldverleiher des Ortes und besassen dort grosse Vermögen. Die Papyri geben eine recht klare Vorstellung von jüdischen Gesetzen und Sitten, besonders auch von Ehegebräuchen. Sie erklären zugleich den Ursprung des; sogenannten ״biblischen Chaldäisch“. Es war das offizielle Aramäisch der westlichen Hälfte des persischen Reiches, wie es von den. Juden gesprochen und geschrieben wurde. Die Namen, die sich in dieser jüdischen Gemeinde finden, haben genau die gleichen Formen, wie wir sie in den nach dem Exil der Juden geschriebenen Büchern des alten Testaments finden. Andere ähnliche Dokumente lassen die Geschichte diser Sprache noch weiter verfolgen; so z. B. fand ich in diesem Winter einen Papyrus der die Rechnungen eines jüdischen Händlers enthält und etwa 1V2 Jahrhunderte später ist als die Funde von Assan. Aber die archäologische Durchforschung Ägyptens ist bis jetzt überhaupt noch kaum