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Jüdische Rundschau · 1906-07-06 · 14 (6.7.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
14 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ Jahrg. XI. No. 27 Herausgegeben von Dr. Heinrich loewe. ר Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 14. Berlin, 13. Tammuz 5666 — 6. Juli 1906 Jahrg. II Der vorchristliche Jesus Hochinteressante Probleme enthält das Gebiet der Sagen und der Mythologie des entstehenden Christentums. Während aber mit de! negativesten Kritik, die sieh weit vom Historischen entfernte, die protestantische Theologie der alttestamemtlichen Ueberlieferung zu Leibe ging, war sie stets sorgsam bemüht, diesen neutestamentlichen Problemen aus derr- Wege zu gehen. ״Das Wort, sie müssen lassen stahn,“ gilt n!eht minder für dile sogenannte liberale wie für die orthodoxe Richtung protestantischer Theologie. Mit der Tradition umdi dem sie verkörpernden Papsttum, hat das Luthertum gebrochen, unid als neue Autorität dafür dien papierenen Papst, das ״Wort Gottes“ gesetzt. Das Dogma von dem calamus dei, dem Evangelisten,, der als Schreibrohr der Gottheit mechanisch die׳ Evangehen und andern neutestamentlichen Schriften niedergeschrieben hat, wirkt bei den liberallen Theologen nach. Aber sie haben gegenüber der Orthorioxie den Nachteil, den die Inkonsequenz mit sich bringt. Sie glauben, freisinnig, d. h. vorurteilsfrei zu Werke zu gehen, sie vermeinen frei zu forschen, und sind genau so im Dogma befangen, wie jene Orthodoxie, die aber doch den Vorzug hat, sich ihrer Abhängigkeit vom Dogma bewusst zu sein. Harnaeks Wesen des Christentums ist auch in dieser Hinsicht ein klassisches Buch. Es ist ein Musterbeispiel für die Richtung, die sich frei von allen Fesseln wähnt und in ihnen nicht minder befangen ist, wie die Richtung, über die sie sich turmhoch zu erheben glaubt. Nur wenige Geister haben den kühnen Mut gehabt, dem überlieferten Dogma zu trotzen und der entgötterten Wahrheit kühn ins Auge zu schauen. Der kürzlich verstorbene Kalt hoff, dessen Ergebnisse, so weit sie posit'ver Natur sein sollen, wir keineswegs anerkennen können, gehört zu diesen wahrheitskühnen Naturen. Er hat es gewagt, mit seinen liebsten Jugenderinnerungen zu brechen und dort Kritik zu üben, wo sie zu verstummen pflegt. Der positive Grundgedanke bei ihm, der schon Jahrzehnte früher von Baur ausgeführt wurde׳, ist der, dass aus dem Westen das Christentum zu! den Bewohnern Palästinas gekommen sei, wo es silch aus dem Dogma zur Persönlichkeit verdichtete. Die neuesten Funde der vor hellenischen, mykeniscben Periode in Kreta, die scheinbar reinchristlichen Symbole, wie das Kreuz und das Lamm zusammen an das Licht brachten, gaben bedeutsame Winke über die Her-

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