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Jüdische Rundschau · 1906-06-22 · 13 (22.6.1906) · p. Seite 112

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
13 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
Seite 112 (sequence 8)
Language
German
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n 2 _ LITER A T U RBLAT T _ Nt). 13 ihrer selbst willen bearbeitet, fortentwickelt und erweitert, wohl Weil sich in sie alle möglichen Deutungen hineintragen lassen, ln ihrer Zeitksigkeit nämlich kann sie zum Symbol jeder Zeit gemacht werden, und in ihrer Ewigkeit ist sie imstande, die Verbindung zwischen den entlegensten Zeitabschnitten zu bilden; anderseits bietet sie — ausser dem v< lkstiiinlichen Gedanken, dass ein Fluch sich forterbt, dass er wie eine böse Krankheit ansteckt, dass also die Nähe des Fluchbeladenen Unheil bringe — keine feste Grundidee, ln dem einen Punkte stimmen alle Bearbeitungen überein; sie sind Dichtungen der Sehnsucht nach dem Tode, Sehnsucht nach einem befreienden Ideal. Ahasver ist der Träger der grossen Menschensehnsucht. darum ist ihm ewiges Leben beschieden. und er wird leben, so lange Herzen auf Krden sehlagen, sagt der Verfasser. Aber gerade in dieser Endlosigkeit liegt die Schwäche des Stoffes; sie ist die Klippe, Woran alle Dichter bisher gescheitert sind. Der Ahasvergedanke ■versagt dem Dichter einen reinen, aus der naturgerriässen Ent- Wickelung sich ergebenden und doch wirksamen Abschluss. Trug, der in dem Ahasver die Verkörperung des Jüdischen Volkes erblickt, findet daher ohne weiteres den künstlerischen Abschluss, auch wenn er den Schluss nicht weiter ausmalt. Soergel schickt seiner interessanten Untersuchung einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Sage voran. Er befindet sich im Irrtum, wenn er in England die älteste nachweisbare Nachricht über den ewigen Juden sucht. Die älteste Nachricht ist vielmehr Ignoti Monachi Cisterciensis Sanctae Mariae de Forraria Chronica ab anno 781—1228, die wie Heinrich Loewe im JUED1SCHEN LITERATURBLATT im Jahre 1892 nachgewiesen hat, die bisher älteste bekannte Erwähnung des ewigen Juden bringt. Freilich beruft sich der Chronist ausdrücklich auf Nachrichten von jenseits der Alpen. Soergels Arbeit legt freilich auch den Nachdruck auf die neuere Literaturgeschichte und verfolgt die Gestaltung des Dichtungsstoffes in grossen umfassenden Zügen bis in die allerneueste Zeit. Beide Arbeiten haben neben einander selbstständigen und bleibenden Wert- H. Erze r. Notizen Im Londoner University College hielt Professor Flinders Petri« einen interessanten Vortrag *über die Ausgrabung der Stadt Ra-mses, die von den Israeliten gebaut wurde. Der Professor ist soeben von einer archäologischen Expedition in Aegypten zurtickgekehrt. Die Stadt die die Grösse der Inneren City von London hat, ist von einer quadratischen Mauer aus uagebrannten Ziegeln umgeben. Durch die westlichen und südlichen Mauern führen grosse Tore. Durch d,a.s westliche Tor kam man auf einen breiten Weg', der zu einem grossen quadratischen Platze führte, auf dem der Tempel der etwa 3000 Jahre׳ vor Christus gebauten Stadt stand. Die Stadt enthielt das grosse Lagerhaus für den syrischen Tribut und war von den Hyksos bewohnt. Unmittelbar ausserhalb der Stadt stand der Tempel des Onias. Man fand ihn nach Beseitigung eines etwa 60 Fuss tiefen Hügels, Der Haupteingang lag nach Westen! zu. Von da ab stieg der Weg durch einen Häuserblock von 4 oder 5 Morgen Grösse zu e::ncm hohen Türme. Man konnte die von Josephus geschilderten äusseren und inneren Höfe des Tempels vollständig feststellen. Ebenso׳ die Basis des Tempels, der genau׳ halb so gross war, wie der Tempel des Salomo. Etwa 1000 Meter von der Stadt entfernt wurde: ein grosser Friedhof ausgegraben. ln den Gräbern fand man Perlenhalsbänder, Amulette und andere Gegenstände, die inan den Toten mitzugeben pflegte. Der Tempel des Onias liegt 32 Kilometer nördlich von Ca׳ro,

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