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Jüdische Rundschau · 1906-06-15 · 12 (15.6.1906) · p. Seite 102

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
12 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 LITERATURBLATT No. 12 welche P r e s s i 011 s m i 11 e 1, die Herr Schneider gegen ihn zur Anwendung brachte, behindert worden sei. Wir haben an dieser Stelle Herrn Ignaz von, Ruber wiederholt, aber bis heute vergebens aufgefordert, über diese wahrhaft sensationelle Enthüllung Ernst Schneiders sich zu äussern. Schneiders Aeusserung' vom 5. November 1904 steht offenbar im Zusammenhänge m!it einem Drohrufe, den er in der Sitzung des niederösterreichischein Landtages vom 28. April 1899 ausgestossen hat, dem Drohrufe: ״Ob nicht wieder der Justizminister Geld eingesteckt hat? Der Justizminister Ruber ist auch bestochen, ich werde ihm schon zeigen!“ Es war damals schon aufgefallen, dass Herr von Ruber diesen unerhörten Vorwurf ruhig hingenommen und Herrn Schneider nicht, wie es seine Amtsehre erfordert hätte, auf irgend eine Weise zur Verantwortung gezogen, respektive zur näheren Erklärung eines solch’ schwerwiegenden Vorwurfes veranlasst hat. Die Folge dieses Stillschweigens des Chefs der Justizverwaltung war denn auch, dass die antisemitischen Blätter die Behauptung wagen konnten, dass für die Polnaer Affäre sich ״hochgestellte Persönlichkeiten“ (interessieren und dass insbesondere eine dieser Persönlichkeiten auf ,den Gang der Untersuchung einen bestimmenden Einfluss genommen habe. Tatsache ist, dass Herr Ernst Schneider in seiner Enunziation vom 5. November 1904 als den Juden bekannt vorausgesetzt, dass er es dem Minister Ruber ״unmöglich gemacht habe“, den Polnaer Ritualmord ״totzuschweigen“. Diese Aeusserung ist ein, Beweis dafür, dass in dem verhängnisvollen Augenblick, in dem es sich um die Instruierung des Polnaer Prozesses handelte, fern vom Schauplatze der Tat und der gerichtlichen Untersuchung, in einem Wiener Ministerhotel sich Koulissengeheimnisse abgespielt haben.--“ Literaturbericht Hebrew Humour and other Essays by J. Chotzner, Ph. D. Late Hebrew Tutor at Harrow. London: Luzac & Co., 46 Great Russell Street (Published to the University of Chicago) 1905. (VI, 186) 8. Wenn auch Chotzner selbst die Essays über den hebräisehen Humor in den Vordergrund gestellt hat. so weiss doch jeder, der die wissenschaftliche Tätigkeit des leider verstorbenen Lektors von Harrow kennt, dass alle seine auf gründlichen Forschungen und intimen Kenntnissen beruhenden Aufsätze interessant und bedeutungsvoll sind. Gleich sein Aufsatz über den Humor der Bibel ist von feiner Beobachtung gepaart mit ebenso feiner Darstellung. Von geradezu witziger Wirkung ist der kleine Essays über Eigentümlichkeiten gewisser Eigennamen in der Bibel. Dass er dabei mit Adam und Eva anfängt, ist hier ausnahmsweise-einmal am rechten Orte. Von besonderem Interesse sind die beiden Aufsätze über Immanuel Romano und den galizischen Satiriker Isaak Erter'. Am wenigsten dürfte der Aufsatz befriedigen, der den Einfluss der hebräischen Literatur auf Heinrich Heine zum Gegenstand hat. Mit gutem Bedacht ist die kurze Skizzierung der neuen hebräisenen Journalistik an den Schluss des Bandes gestellt. Hier zeigt sich die hebräisch־ nationale Gesinnung des Verfassers, die mit seiner Wissenschaft Hand in Hand ging. Der Mann, der aus dem östlichen Judentum hervorgegangen war und in der englischen Judenschaft eine grosse wissenschaftliche Mission erfüllte, fand sein Genüge an der hebräischen Literatur und sein höchstes Glück, dass das uralte Schrifttum der für totgehaltenen Sprache wieder neu auflebt. In der kurzen Spanne Zeit, die seit der ersten Veröffentlichung dieses Artikels verflossen ist, hat die hebräische Journalistik trotz der neuen Konkurrenz, die ihr aus der lingua vernacula erwächst, einer neuen ungeahnten Aufschwung genommen. Die sämtlichen Essays

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