Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 11 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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92 LITE RATURB L ATT No. 11 wohl möglich, dass unter den unzähligen Juden, die von den Römern gekreuzigt seien, eine edle Persönlichkeit namens Jesus gewesen sei, es wäre auch sehr wohl möglich, dass ein grosser Teil der Aussprüche, die Jesus in den Evangelien in den Mund gelegt werden, von einer Person dieses Namens zuerst getan sind. Keinesfalls aber sei es angängig, ihn als ein nicht gesellschaftlich bedingtes Individuum anzunehmen,, und keinesfalls könne die ganz symbolisch und unwirklich gehaltene Christusgestait der Evangelien nach Abtrennung alles Wunderbaren als ein Individuum angesehen werden. An Stelle des Personenkultes fordert er freie Ent- Wicklung der Religion den veränderten Zeiten entsprechend. Die hier entwickelten Ansichten Kalthoffs finden sich hauptsächlich in seinen Schriften ״Das Christus-Problem“ und ״Die Entstehung des Christentums“. (Beide bei Eugen Diederichs in Leipzig erschienen.) Ich will bemerken, dass mich seine kritischen Ausführungen überzeugt haben, die positiven dagegen mir manchmal nicht genügend fundiert erscheinen. Eine jede neue radikale Betrachtungsweise leidet an dem Zuschnitt des historischen Materials. Wir Zionisten, die wir im Judentume nicht etwas Starres und Totes, sondern einen lebenden Organismus sehen, die wir aber auch dagegen ankämpfen, dass sein reicher geistiger Inhalt auf ein paar Dogmen und Moralsätze reduziert werde, die wir in der Tradition unsers Volkes leben und weben, die wir erkannt haben, wie unser Volkstum immer von neuem grosse Männer und grosse Ideen hervorbringt, die über das Judentum hinaus wirken, die wir wieder ein gewaltiges unaufhaltsames Regen in unserm Volke spüren, das zu neuem Leben erwacht ist und uns in seine Kreise gezogen hat, wir können dem ehrlichen Ringen und der lebendigen Religiosität, die sich in den Schriften Kalthoffs und anderer aus dem Protestantismus hervorgegangener Schriftsteller der Gegenwart findet, unsere Sympathie nicht versagen, wie wir davon überzeugt sein können, dass auch unsere Bestrebungen bei ihnen Anerkennung und Verständnis finden. Ein zionistisches A-B-C-Buch Bericht der literarischen Kommission über die V 0 rarbeiten zu seiner Herausgabe, Die literarische Kommission hat im Aufträge der Zionistischen Vercinigung für Deutschland die Herausgabe eines zionistischen A-B-C-Buchs vorbereitet. Dasselbe soll nach der Art des Eugen Richterschen A׳B-C-Buchs eine vollkommene und übersichtliche Darstellung der Geschichte und des Wesens des Zionismus, sowie der damit zusammenhängenden Ereignisse und Strömungen darstellen. Das Werk soll nicht nur ein Nachschlagebuch für den Ägitationsredner bilden, sondern auch denjenigen, die sich selb-