Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 9 (6.5.1906)
- Date
- 1906-05-06
- Page
- Seite 80 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 LITERATURBLATT No. 9 Notizen DAS LEBEN (illustrierte Wochenschrift) herausgegeben von Arthur Kirchhoff und geleitet von geleitet von Robert Saudek, bringt einen Aufsatz von einem deutschen Gelehrten, der ungenannt bleiben will, über ״jüdische Rasseköpfe“ und verficht den neuartigen Gedanken, dass nicht die üblich angenommenen kraneologischen Merkmale das Kennzeichen der Rasse sind, sondern gewisse, der Physognomie aufgeprägte Züge, die durch eine bestimmte Muskulatur hervorgebracht werden. Dem Aufsatz sind gute Illustrationen beigegeben. Er ist interessant, aber seine Ausführungen wenig stichhaltig. Aus China Der englische Forschungsreisende Bainbridge teilt soeben über einen van ihm der ältesten Judengemeinde der Welt abgestatteten Besuch folgende interessante Einzelheiten mit. Gelegentlich einer kürzlich unternommenen Reise in China fand der Engländer, der in chinesischer Verkleidung mit einer Eskorte reiste, in Kai-Fong-Fu an der Vereinigung des alten und neuen Laufes des Gelben Flusses, 350 Meilen südlich von Peking, eine jener,, man kann wähl sagen vorgeschichtlichen Judengemeinden, deren Vorhandensein in China schon von älteren Forschern als zweifellos angenommen wurde. Mr. Bainbridge erzählt nun, dass die von ihm aufg:efundene uralte, vermutlich schon 700 Jahre vor Christi Geburt in China eingewanderte Judengemeinde vollkommen gesondert in der Mitte der chinesisischen Bevölkerung lebt, und in ihrer Synagoge nach einem ganz eigenen Rituale den Gottesdienst geheim abhält. Vor kurzem hat eine durch die Veränderungen im Laufe des Gelben Flusses hervorgerufene Überschwemmung den Tempel dieser Gemeinde zerstört, und der englische Forscher wurde von den Vorständen der Kongregation beauftragt, bei den Stammesgenossen in Europa für den Wiederaufbau des Gotteshauses im Innersten Chinas Propagandt zu machen. Der Reisende hat Abschriften der Epitaphe mitgebracht, die er auf den Grabsteinen des ältesten aller jüdischen Friedhöfe fand. Aus dem Vorhandensein vieler altpersischer Wortelemente in der Sprache dieser Gemeinde wird geschlossen, dass die Vorfahren ungefähr 700 vor Christi von den Persern in Gefangenschaft geführt und später den Weg nach Ostasien gefunden haben, auf der alten transasiatischen Karawanenroute, dem Oxus entlang, über den Pamir, am Rande der Grossen Wüste hin zum Gelben Meere. — Ein anderer englischer Forscher, der eine zweite dieser interessanten Judengemeinden fand, die von Christus überhaupt nichts wusste, berichtet über die ins Chinesische übertragenen biblischen Namen im Pentateuch dieser Juden Ahraham figuriert hier als Awoo-Lo-hau. Moses als Mty-she und Ezra als Ye-Tsze־lä. Wenn Bainbridge diese jüdische Gemeinde für die älteste der Welt ansieht, so ist ihm insofern ein Irrtum untergelaufen, als die persischen Sprachreste auf denselben Ursprung hinweisen, wie das Judehmedische der Jewrej Gorcij und das Judenpersische der Bucharischen Juden. Nicht im 7. Jahrhundert vor, sondern nach Christo haben alle diese Juden Persien verlassen und zwar unter den Nachwirkungen des mazdaqitischen Religionskrieges. Berichtigung. Im Artikel Dr. A. Sandlers über Nation und Nationalität im LITERATURBLATT No. 7, Seite 51, (Absatz 2) hat sich ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen. Es heisst dort: ״Jede Nationalität umfasst heute mehrere Religionen, wie jede Nation mehrere Nationalitäten.“ Natürlich muss es statt Nation — Religion heissen.