Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 7 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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52 LITERATURBLATT No. 7 nationalen Gegensätze dort, wo nicht Sekten einer Religion, sondern zwei Religionen im Kampfe aufeinander stossen, wie in dem Kampfe Spaniens gegen die Mauren. Auch ist zu bedenken, dass in solchen Fällen die Verschiedenheit in der Religion oft mit der Verschiedenheit in der Abstammung zusammenfällt. Unsere Religion — und das ist die Hauptsache — ist unbedingt eine eigenartige, deren nationaler Charakter sich nicht hinwegdisputieren lässt. Die Nation ist über sich selbst souverän, und ihre Majorität hält an dem nationalen Glauben fest. Wir ziehen nicht den Schluss: Weil die Religion bei den europäischen Nationen — angeblich — kein entscheidendes nationales Merkmal darstellt, ergo ist sie es auch bei den Juden nicht. Unser Schluss lautet vielmehr: Besässen die europäischen Nationen in der Religion kein nationales Merkmal, so fehlt ihnen eben ein Charakteristikum״ das die jüdische Nation wohl besitzt, während ihr wieder andere Charakteristiska fehlen. (Schluss folgt.) Vorgeschichtliches vom Zionismus Erster Zeitabschnitt. (Bis 1862.) Von Heinrich Loewe. (6. Fortsetzung.) Der Aufruf der Juden aus Konstanz, der im ORIENT erschienen war und dort eine grössere Diskussion hervorgerufen• hatte, stand nicht allein. Er war aus dieser ganzen Stimmung hervorgegangen, die im Kampfe um die Emanzipation, in der tiefen Empörung über die schmachvolle Blutlüge von Damaskus und in der Sehnsucht nach Palästina ihren beredten Ausdruck fand. So war denn auch wenige Monate früher als dieser flammende Erguss, Palästina wiederzugewinnen und wäre es nötig, auch mit Waffengewalt, eine viel nüchternere Schrift erschienen, die ebenfalls auf die Gründüng eines Judenstaates abziele. Nüchterner war diese Schrift insofern, als sie von der Liebe des Volkes zu seinem alten Stammlande ganz und gar absah und sich bemühte, aus dem Hass die Treibkraft zur Gründung seinem Heimatlande einen Brocken zum Trost und zur Entschädigung hinzuwerfen, und um die Zionsliebe, die vielleicht hemmend wirken könnte, in einen mächtigen Vorspann seiner Judenstaatsidee zu verwandeln, weist er zum Schluss darauf hin, dass dies der rechte Weg sei, wenn man je daran denke, dem Nationalgefühl durch Wiedererwerbung Jerusalems zu genügen. Wer auch immer der Autor dieser Broschüre gewesen sein mag, das eine ist sicher, dass ein inniger innerer Zusammenhang zwischen diesem Neu-Judäa und Mordechai Manuel Noahs Ararat bestand. Noah,