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Jüdische Rundschau · 1906-02-16 · 5 (16.2.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
5 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau zu Q Herausgegeben p p Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. Beilage zu C „Jüdische Rundschau“ von «tJUUlOLIIC I\UUUOUi Jahrg. XI. No. 7 Dr. Heinrich üoewe. No. 5. Berlin, 20. Schebat 5666 — 16. Februar 1906 Jahrg. II Jüdische Nation' und Nationalität Von Dr. Aron Sandler-Breslau. (Fortsetzung.) Die Momente, die bei ungleicher Abstammung und Sprache das Gefühl der Zusammengehörigkeit hervorrufen können, sind verschiedener Art. Oft sind sie politischer Natur (wie bei der Schweiz), doch liegen die Gründe dann meist tiefer und fallen mit den folgenden zusammen. Die geographische Lage kann eine grosse Rolle spielen. Das zeigt die nationale Verwandtschaft der hervorragenden Inselvölker England und Japan in ihrem nationalen Gegensatz zum festländischen Russland. Auch Portugal war durch die geographische Lage zu einem nationalen Eigenwesen prädestiniert. Dabei sind auch wirtschaftliche Motive von Beding, die z. B. die abgelöste Bestandteile zweier benachbarter Nationen zu einem nationalen Ganzen zusammenschmieden und einen gemeinsamen nationalen Willen hervorrufen können. Das kommt für einzelne Teile Belgiens, Russlands und der Schweiz in Betracht. Wir sehen, dass gemischte Stämme in riesigen Verkehrsebenen, wie in Nordamerika, China, Aegypten, Ostrussland, allmählich zu einer Nation verschmelzen. — Auch die Religion erzeugt den Willen zur Nation. Man denke an die Bedeutung des religiösen Moments bei der Entstehung der niederländischen Nation oder der spanischen Nation im Kampfe mit den Mauren. Man denke an die Zusammenschweissung der heterogensten Völkerschaften in Asien und Afrika durch den Islam. Solche und andere Motive vereinigen und spalten Nationen, die sich über die anthropologischen Begriffe kühn hinwegsetzen. Nicht immer, wie gesagt, verfügt die Nation über ihren Nationalstaat, und nicht jeder Staat besteht aus einer Nation. Eine organisierte Indianerhorde ist keine Nation, und all die griechischen Stämme, die zusammen eine Nation darstellen, wegen ihrer gleichen Ideale in Kunst und Wissenschaft, gleicher Götterverehrung, gleicher Sprache und Sitte und gleicher Ab Schliessung gegen die Aussensteh enden, die „Barbaren”, diese griechischen Stämme hatten keinen einheitlichen Nationalstaat. Oft im ersten Stadium ihrer Entwickelung, ja zuweilen gleichseitig mit ihr entstehend, zumeist aber auf dem Höhepunkt ihre’- Kraft-

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