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Jüdische Rundschau · 1906-02-09 · 4 (9.2.1906) · p. Seite 32

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
4 (9.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 LITERATURBLATT No. 4 recht engem Gesichtskreise. Sie gehört in den Kreis der ebenfalls tun einmal erschienenen Zeitschriften „Hamon“, Haschschachar” u. a., ohne deren Gedankenkreis wesentlich erweitert zu haben. Dennoch bedeutet sie in der Form einen nicht geringen Fortschritt gegenüber diesen Erscheinungen., e—m. Notizen - Allhebräische Musik In der Hauptsache war beii den alten Jukifen die Musik überhaupt heilige Musik, musica sacra, iim Gegensatz zu der aller übrigen orientalischen Völker, die vorwiegend auf Sinneingenuss gerichtet war. Die Tempelmusik wurde bei den Hebräern fast .ausschliesslich von Männern und zwar insonderheit von den Leviten ausgeübt. Eine besonders hohe Blüte hat die jüdische Musik unter König' David, der ja selbst seinem Saitenspiel die Gunst Sauls und den Thron verdankte,, erreicht. David hat nicht weniger als 288 Sängerchöre mit 4000 Sängern, von denen jeder seinen besondern Führer hatte, begründet. Ghananjähu, der Levitenfürst, war der Sangesmeister, der die Melodien vorzusimgen hatte. Aber auch die weltliche M u s i k der Juden war im allgemeinen eine ernste. Darauf deuten auch u. a. die Mahnung Sirachs hin: „Man soll die Musiker nicht stören, wenn man Lieder singt, nicht darein reden, sondern seine Weisheit für andere Zeiten sparen.“ Herumziehende Sängerinnen werden im Alten Testament mehrfach genannt. Wie die Griechen hatten auch die Juden in ihrer Musik viel von der der Aegy p ter. die sie in der Gefangenschaft genau kennen gelernt hatten, übernommen. So zeigt der Juden Siiegesgesang, als Pharaos Heer im Roten Meer ertrinkt, durchaus ägyptische Hymnenform. Die Pauke Miriams und Davids dreieckige Harfe sind wie Kinnör und ‘Ugäbh (Harfe und Pfeife) und Psalter, Flöte und Trompeten, ebenfalls zum Teil ägyptischen Ursprungs. Die fabelhafte Magnepha soll eine Orgel von mächtigem Schall, nach anderen aber einer Tempelschaufel, noch nach wieder anderen eine Pauke gewesen sein. Jüdische .Nationalinstrumente sind die beiden gewundenen Widderhörner, Schofär und Qeren, gewesen. Der heutige Kultusgesang der Juden iis.t in den verschiedensten Ländern auch verschieden. Den deutschem .Synagogengesang hat vor etwa sechzig Jahren der Wiener Musik-Professor und Ober-Kantor der israelitischen Gemeinde daselbst Salomon S u 1 z e r zu reformieren begonnen. Im übrigen hat deutschen wie spanischen Synagogengesang schon im Jahre 1724 der Venetianer Benedetto Marcello in seinen Psalmen verwendet, und in neuerer Zeit sind Anton Rubinstein im „Turm von Babylon“ und Karl Go ld mark in der „Königin von Saba“ u. a. m. diesem Beispiele gefolgt. Zweifelsohne hat aber die jüdische Tempelmusik in Verbindung mit griechischer Musik den Grundstein zur ersten christlichen Kirchenmusik gelegt. Das jüdische theologische Seminar zu Breslau (Fränkeische Stiftung) versendet seinen 52. Jahresbericht. Voraus geht diesem der dritte Teil einer Abhandlung über die Psychologie bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Dr. S. Horovitz. Dem Berichte selbst ist zu entnehmen, dass die Anstalt im abgelaufenen Jahre 34 Hörer zählte. Die Bibliothek umfasst zur Zeit 17 165 Druckschriften in 22 952 Bänden pnd 2.12 Handschriften in 248 Bänden.

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