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Jüdische Rundschau · 1906-02-02 · 3 (2.2.1906) · p. Seite 24

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
3 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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;24 No. 3 LITERÄTURBLATT nicht erhalten. Ein Brief, den der britische Konsul.in Jerusalem! James. Finn (jüdischer Abstammung) im Jahre 1870 von China erhielt, berichtete von der Auflösung der wenigen jüdischen Reste in China in gesellschaftlicher wie religiöser Beziehung; auch einige frühere Versuche englischer und amerikanischer Juden hatten keinen Erfolg aufzuweisen. Im Jahre 1900 zählte die Gemeinde von Kai-Fung-Fu nur noch 140 Mitglieder ohne Vorsteher, Synagoge oder ein ordentliches Schulwesen. Doch spricht Singer die Hoffnung aus, dass es der Society for the Rescue of the Chinese Jews gelingen werde, in diesen Zustand des Verfalles, wieder Besserung zu bringen. Jedenfalls ist es interessant, dass sich unter den in Jerusalem aus nationalen Gründen Eingewanderten auch einige chinesische Juden befinden. Thomas Murner und die Juden In der KOELNISCHEN VOLKSZEITUNG macht Dr. N. Paulus- Müncheu Mitteilung über die Veröffentlichung einer bisher unbekanntem: Schrift Thomas Murners Mitteilung. Es ist eine antisemitische Dichtung: Thomas Murners, die 1515 anonym zu Strassbürg erschienen ist und bisher den zahlreichen Schriften Murners nicht beigezählt wurde. Sie wurde jüngst von Adam Klassert, Reallehrer zu Michelstadt in Hessen., nach einem Exemplar der dortigen Kirchenbibliothek kn Jahrbuch für Geschichte,, Sprache und! Literatur Elsass-Lothringens mit einer trefflichen Einleitung neu veröffentlicht. (Entehr um.g M a r iä dur ch di e Jude n. Eine antisemitische Dichtung Thomas Murners mt den Holzschnitten des Strassburger Hupfuffschen Druckes herausgegeben von A. Klasesrt, Strassburg, IJeitz 1905. 79 Seiten.) Im ersten Teile der Dichtung wird die 1322 stattgefundene Profanierung eines Marienbildes durch Juden im Hennegau und die Bestrafung des. Frevels geschildert. . Im zweiten Teile zählt der Verfasser verschiedene andere vermeintliche oder wirkliche jüdische Verbrechen auf und fordert die Vertilgung der Juden. Auf innere und äussere Gründe sich stützend, weist der Herausgeber nach, dass die Schrift' von . Murner verfasst worden sei, wohl auf Ansuchen Kaiser Maximilians I„ der das Hennegauer Begebnis auch durch Maler darstellen liess. Kzeigt a,uch, dass der Dichter Pamphilus Qengenbach in seinem Neue n Lied von fünf Juden Murners Schrift, die einer weiteren Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden war, .in „skrupelloser Weise“ benutzt hat. Merkwürdig sind die zwölf der Schrift beigegebenen Holzschnitte, deren kulturgeschichtlicher Wert bereits von W. Li st.im ZENTRALBLATT FÜR BIBLIOTHEKSWESEN (1887, S. 290 ff.) gewürdigt worden ist. Ein neues Heine-Bildnis In der Zeitschrift RHEINLANDE hat Dr. J. Asb ach vor einigen Jahren ein aus dem Besitze des Bankiers Karl Simons, herrührendes Bildnis des Dichters herausgegeben, das diesen bärtig in kräftigem Mannesalter mit stark abgeschwächtem jüdischem Typus darstellt. Entscheidend für die Annahme, es handle sich um Heinrich Heine, war ausser; dej allgemeinen Aehnlichkeit die bestimmte Versicherung der Familie Simons, deren in Düsseldorf lebende Glieder von Charlotte v, Geldern, einer Tante Heines, abstammen, dass die Steilnzeichnung seit fünfzig Jahren als Bild des Dichters angesehen worden sei. Konnte noch ein Zweifel an der Echtheit bleiben], so ist dieser dadurch gehoben, dass sich jetzt genau dasselbe Bild in einer Kunsthandlung mit Heines .eigenhändiger Unterschrift gefunden hat. Festzustellen bleibt noch, wo das Bild entstanden ist. Möglicherweise in Paris, es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Zeichnung von einem Düsseldorfer Künstler herrührt. . Es würde eine lohnende Aufgabe sein, einmal alle bekannten Bilder des Dichters zusammenzustellen. Die Reproduktion einer um 1828 in München entstandenen Bleistiftzeichnung ist ebenfalls in der Zeitschrift RHEINLANDE erschienen. D1B

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