Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 3 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu „Jüdische Rundschau“ Jahrg. Xi. No. 5 Q Herausgegeben von ft Sr. Heinrich f oewe. Redaktion: BERLIN N.W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 3. Berlin, 6. Schebat 5666 — 2. Februar 1906 Jahrg. 11 Vorgeschichtliches vom Zionismus Erster Zeitabschnitt. (Bis 1862.) Von Heinrich Loewe. (5. Fortsetzung.) Aufs innigste mit allen den geistigen Regungen, die im Judenstamm um das Ende des achtzehnten. Jahrhunderts sich geltend machten, ist auch die neue Regsamkeit verschwistert, die sich auf dem Gebiete der hebräischen Sprache geltend macht. An eine Pflege der Volksdialekte, die in der Judenheit gesprochen wurden, besonders des Jüdischdeutschen und des Jüdischspanischen dachte man nicht. Man ging davon aus, dass diese Dialekte überhaupt keine Dialekte, keine Mundarten sondern eine Art von Kauderwälsch seien, für die man deshalb das Wort ,*Jargon“ als die richtige schimpfende Bezeichnung ansah. Wenn also niemand daran dachte, in diesen Sprachen Kultur in das Volk hineinzutragen oder gar diese Sprachen liebevoll einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen, so musste doch die Pflege der Sprache mit jeder Kulturbestrebung Hand in Hand gehen, wenn sie von Erfolg gekrönt sein sollte. Um die wissenschaftliche und praktische Bedeutung des Volks dialekts zu erkennen, bedarf es ja einerseits einer nicht geringen Stufe philologischer Erkenntnis, andererseits wirklich politischen Sinnes und beides ging den Juden nicht nur im achtzehnten, sondern noch in den ersten drei Vierteln des Neunzehnten Jahrhunderts ab. Die tiefsten Geister freilich in dieser Zeit erkannten sehr wohl die grundlegende Bedeutung der Sprache für das Leben, insbesondere das Kulturleben der Nation und richteten auf die Pflege der Sprache ihr Augenmerk. Diese, die am weitesten ins westeuropäischen Kulturleben eingedrungen waren, konnten natürlich am allerwenigsten an die Pflege des jüdischdeutschen Dialekts denken, der ihnen grösstenteils fast oder Völlig unbekannt war. Sie fanden naturgemäss im Hebräischen die nationale Sprache, deren intensive Pflege dem neuerblühenden Kulturleben des alten Stammes zu Gute kommen sollte.