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Jüdische Rundschau · 1906-01-05 · 1 (5.1.1906) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 LIT E RAT U R ß L A TT No. 1 und gewiss nicht ohne ein allen Windungen zart .nachgehendes V«*steilen, aber doch überall mit der gebotenen und durch den Ablauf der Jahrzehnte erleichterten Kritik komponiert dann der Verfasser aus seiner Analyste ein Bild' dieses einzig eisre»nexi'I>nd^s, .ich _ ruhig ein vollständiges nennen möchte, obwohl der Dich t e r Heine aus den Erörterungen eigentlich ausgeschaltet ist. Gleichwohl aber gibt es kein Problem, k e i n c Frage, die in Heines Werken, in seinem Leben aufgeworfen ist oder werden könnte, die hier nicht Kürzer oder ausführlicher behandelt wäre. Und ich erachte es nicht nur nicht als einen Fehler, sondern es macht einen Vorzug des Lichten- T bergerschen Buches aus, dass darin so oft Heine über Heine spricht, und dass der Verfasser nur als Verstehender —- nicht als Richter — dann bisweilen Heine gegen Heine setzt, um uns diesen zwiespältiger Rätsieti vollen Geist näher zu brngen. Und das gelingt ihm auch da vollendet, wo er ausschliesslich selbst zur DarstelDung das Wort rammt. — Dass diie Uebersetzung aus dem französischen Originall ein wirklich deutsch geschriebenes Buch gemacht hat, bedarf bei Fredrich von Oppeln-Broniikowski kaum der Erwähnung, sei aber gleichwohl hervorgehoben. —• Nicht das schwierigste Problem in Heines Leben ist seine Stellung zum Judentum; aber es ist das an dieser Stelle vor allefn interessierende, und vielleicht ist es das universalste, dasjenige, das s bh durch das ganze Leben Heines nicht nur, sondern auch noch durch die Kritik zieht, die ihm von der Nachwelt zuteil wird. Und insofern wäre Lichtenberger zu tadeln, dass er diese Frage fast nur als eine solche der „religiösen Anschauungen” Heines behandelt, wenn nicht trotz dieses Schemas eben, doch an beinahe allen Punkten Heines Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme hervorträte und auch entsprechend gewürdigt würde. Es ist bekannt, dass Heine stets zugleich ein Rationalist und eiin Gefühlsmensch war, dass es der Kampf seines Daseins war, wie ungezählter Leben nach ihm, die Rechte der Vernunft mit denen des Gefühls wi Eiinklang zu bringen. Allem starren Dogmatismus und somit jedem „posTffVetf* Glauben abhold, blieb er doch Zeit seines Lebens immer mehr ein Verehrer des Ideals als der kalten Wahrheit, mehr ein Verehrer der Schönheit als der gemeinen Wirklichkeit. Alls Knabe bereits erregte Heine Anstoss mit sauen höchst ''unehrerbietigen' Aeusserungen über die Religion, obwohl doch seine Erziehung in einem Jesuitenkloster recht ohne tiefen Eindruck auf .ihn blieb. Umsonst; schalt ahn der Vater und hielt ihm vor, dass seine Gottlosigkeit die übelsten Folgen für das väterliche Geschäft haben könnte. „Besonders die Juden, sagte der Vater einmal zu;hm, würden nicht mehr bei ihm kaufen und sind ehrliche Leute, zahlen prompt und haben auch recht, an der Religion zu halten.“ Diese Argumente dürften Heines Achtung vor der Religion indes kaum vermehrt haben. Naturgemäss erschien ihm, dem Juden, eben das Judentum frühzeitig als de älteste jener intoleranten Staatsreligionen, die er hasste und verabscheute. So klagt und spottet er in den „Rei&ebildern“: .,0 dieses Aegypten! seine. Fabrikate trotzen der Zeit, seine ‘Pyramiden stehen noch immer unerschütterlich, sene Mumien sind noch so unzerstörbar \

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