Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 19 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mo*. JS 152__LITER ATU RBL AT T fanden weite Verbreitung. Er drückte darin die Sehnsucht nach׳ deir Wiederherstellung' Zions aus. Als die jüdischen Theater in Russland, kn Jahre 1888 geschlossen wurden,, wanderie Schamir nach New-York aus., liier gab er eine Wochenschrift DER MENSCHENFRAIND und ein huraoristiscbes Blatt DER Y1DDISCHE PUCK heraus und arbeitete an mehreren Tageszeitungen mit. Scharm r starb im Hospital, er hinterlässt kein Vermögen, da er sich um geschäftliche Angelegenheiten nicht kümmern wollte. Von seinen Dramen waren die bekanntesten ״Die; jüdischen Auswanderer“, ״Haman der Zweite“ und ״Die goldene Gegend“״ '■ eine Satire aus dem Leben im New-Yorker Ghetto. Die grosse Beteißgung; ׳־ an Schamirs Beerdigung war ein Beweis für dieses Autors grossen Einfluss auf seine Landsleute. Der jüdische Arzt in der Geschichte Ein Mitarbeiter der MEDICAL RECORD stellt die bereits, oft gehörte Behauptung auf, dass wahrscheinlich, keine andere Rasse In •ihrer Entwicklung und in ihrem allgemeinen ForteqhHitt in so hohem Grade vom Studium der Heilkunde beeinflusst worden ist, wie die Juden. Schon in den frühesten Zeiten war die Ausübung der Heiikußst bei ihnen mit!einem besonderen Nimbus umgeben, indem sie Vorzugsweise in den Händen der Leviten lag und somit an der Ehre der Priesterliehen Stellung dieses Stammes teilnahm. Die beruifsmässige Betätigung, der Priester bei den Opfern gab ihnen eine besondere und regelmässige | Gelegenheit, einen Einblick in die tierischen Organe und in dereic Zweck j urwT Tätigkeit zu tun. Dadurch eigneten sie sich Kenntnisse an, die auch i für die Behandlung menschlicher Krankheiten von Nutzen sein: mussten. All die vielen im mosaischen Gesetz niedergelegten Vorschriften für off entliehe! und persönliche Gesundheitspflege veranschaulichen den engen Zu• j sammenhang. der damals zwischen der Sorge für das leibliche Wohl and 1 den Regeln für den religiösen Dienst bestand,!und man!darf sagen, dass viele dieser Vorschriften noch bis heute ihre Berechtigung behalten haben. Erst späte? sonderte sich der ärztliche■ Beruf aus dem priesterlichen schärfer aus. In der Zeit des Elends und der Gef an genshaft sowie der Zerstreuung des jüdischen Volkes behielt der jüdische Arzt seine geachtete Stellung, indem er , nicht nur für seine Volksgenossen innerhalb seines eigentlichen Berufes sorgte, sondern auch für die Volksrechte im, all gemeinen mit besonderer Kraft eintrat. Viele von ihnen wurden HoSärzte und besondere Günstlinge mächtiger Monarchen, einige genossen sogar das Vertrauen von Päpsten und hervorragendsten׳ Geistlichen anderer Bekenntnisse. Einer der bedeutendsten unter den älteren jüdischen Aerzten ist Chasdai, der unter dem Chalifen Abd־ar־Rahmän III. Minister wurde und vidi dazu beitrug, dße Stellung der Juden unter der Herrschaft der Mauren in Spanien während des zehnten Jahrhunderts zu festigen. Jehu׳da Halevi, , der hundert Jahre später lebte und ausgezeichnete Werke über mediizinisehe Praxis und Philosophie verfasste, gelangte gleichfalls zu hohem Ruhm. Von dem grossen Maimonides aus Cordova wird gerühmt, dass er fast einen neuen Talmud schuf. Uebrigens wollte ihn Richard Löwen- : herz zu seinem Hofarzt machen, trotzdem gerade damals von drei Päpsten j nacheinander Edikte erlassen wurden, wonach Christen keine jüdischen I Aerzte beschäftigen sollten. In Spanien blieben sie noch lange die einzigen ( Vertreter des Aerzteberufs. Später nahm der Papst Alexander VI. selbst einen Juden zum Leibarzt, der auch noch am Hof Leos X. blieb, und vom Papst Sixtus V. wurde das Edikt gegen die jüdischen Aerzte über- , haupt zurückgenomimen. In der letzten Hälfte *des achtzehnten Jahr״ hunderts waren die Anstrengungen von Moses Mendelssohn für die mdisehen Aerzte von hohem Wert, wobei er von seinem Freunde, dem Arzt .Marcus Herz, kräftig unterstützt wurde.