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Jüdische Rundschau · 1905-11-24 · 18 (24.11.1905) · p. Seite 139

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
18 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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No. 18 LITERATURBLATT 13» gezogen wird und verlässt erhobenen Hauptes das Judentum In dem andern aber, dem fast genau divergierenden, verstösst er. das Mädchen wirklich, weil sie — Jüdin werden will. Ui es der ganze; Inhalt. In den Laden des alten Juden kommen im ersten Ak'te zwei Parteien, um ihr Geschäft zu machen. Aber bei keinem wird der Kauf abgeschlossen. Man kann das symbolisch nehmen. Es gibt im ganzen Stücke: weder ihn wörtlichen nach figürlichen Sinne eine ״Handlung“. Und die Juden? — Wir sagten oben: Heyermans Ghetto• ist ein Gefängnis, die Einwohner sind die Verbrecher darin. Was für Verbrecher? fragen Sie. Legen Sie sich nicht auf das Raten. Sie :würden das ganzle Strafgesetzbuch d׳ur,Giraten, ehe Sie das Richtige träfen. Nun also: Unstttichkeit wirft Rafael seinem Volke vor. ״Ihre (der Christen) Frauen haben wir . . . . bezahlt, die unsern haben wir geheiratet.“ Man erinnert sich wohl aus der Inhalts-Angabe daran, wie der .,Held“ seine Mission begonnen hat. Was Rafael die ersten Zweifel ins Herz gelegt hat, war allerdings ein anderes: er hat gesehen, wie sein blinder Vater seine Käufer noch beim Wiegen zu übervorteilen wusste. — Und deshalb, dieser Dinge wegen der Ruf nach einer neuen Ethik, einem neuen Gotte, von dem Juden und Chnisten) Frauen haben wir . . . bezahlt, die unsern haben wir geheiratet.” in der Wüste; ehe wir auf eigener Scholle sassen, kannten wir das Gesetz: Rechte Wage, rechtes Gewicht! Die Notwendigkeit der •neuen Ethik zeigt also Heyermans nicht. Was seinen Helden aus dem Judentume treibt — er zeigt es nicht. In ■derselben Strasse vielleicht, vor derselben Gracht sass vielleicht Jahnhunderte vorher einer, der aus dem Judentume ging: Baruch Spinoza. Zwei holländische Apostaten: Baruch, Spinoza und Rafael Sache! —! Heyermans konnte ein jüdisches Drama nicht geben. ״Ghetto“ heisst es und wimmelt von Juden, und1 dach kein Hauch jüdischer Tragik. Man kann die Namen vertauschen und das Stück in der Müllerstrasse spielen lassen. Und doch soll es ein Tendanzdrama sein. In der Reclamischen Ausgabe sind die übrigen iim selben Verlage erschienenein Büchlein angezeigt, die Jüdisches behandeln, und auch sie, auch sie! Vom ״Jud Süss“ und ״Einer von uns’re Leut“ über den Verfasser des Gabriel und Mels.־P;anders ״Heimlich Heine” bis zum ״Rabbi David”. Jüdische Dramen gibt es genug. Wir erwarten das jüdische Drama. Die Flammen drüben in Russland zeigen eine grelle jüdische Tragödie. Das Volk!da leidet, weil eis seine eigenste Eigenschaft sich bewahrt hat gegenüber einer Welt. Nicht nur in diesen, sondern in jedem Juden, dessen Judentum lebt, wie er, dessen Judentum ein Ganzes ist, in dem lebt eine Jahrtausende lange Geschichte. Sie tragen in sich die ganze Vergangenheit ihres Volkes. Und wenn einer dfie Tragödie des modernen Juden schreibt, •dann müssen die Schatten von Generationen und Jahrtausenden hinter.״ seinen Figuren

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