Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 17 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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135 No. 17 LITERATU RBL ATT wohl darauf zurückzuführen, dass die günstige materielle Lage der Juden im 17. Jahrhundert der Entwicklung des Schönheitssinnes förderlich gewesen sei, wogegen der materielle Niedergang während des 18. Jahrhunderts einen Rückschritt zur Folge gehabt habe. Die Zeichnungen seien besonders eigenartig, wenn sie den Namen des Hauses darstellein, in welchem1 der Vater des Knaben wohnte. (Rad, Hufeisen. Ross, Hut, Stern, Affe, Pulverflasche, Glocke us.w. erscheinen .als solche' symbolische Zeichnungen). Der Umstand, dass sich unter den Wimpeln viele aus der Zeit vor dem Jahre 1689 (Stadtbrand bei der Zerstörung durch die Franzosen) finden, lässt nach R.’s Ansicht darauf schliiessen, dass die Synagoge in der für Worms Unheilwollen Zeit wenig Schaden gelitten habe. Unter den in den aufgestellten Registern enthaltenen Familiennamen Werden von Rothschild einzelne bedeutendlere׳ aufgeklärt, wie z. B. Oppenheim, Wertheim, die Familie des Rabbiner Levi, des Ahnen des! in München verstorbenen General-Miusiikdiiektors Levi. Auch dien Ähneln des auf dem: Gebiete der Ethik in neuerer Zeit öfters genannten Felix Adler in New-York begegnen wir in dem au!fgestellten Verzeichnis. Rothschild sehliess-t seine interessanten Ausführungen also: ״Wiä die Reste des alten Archivs darf auch das aufgestellte Stempelverzeichnis als ׳eine wichtige Quelle zur Erforschung der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Worms gelten und als eine: nach vielen Seiten bedeutsame Sprache der ״Toten an die Lebenden.“ Wichtige Inschrift der griechisch-jüdischen Geschichte Eine wichtige Inschrift der griechisch-jüdischen Geschichte ist van dem französischen Orientalisten Clermont-Gannean nachgewiesen und erschlossen worden. Sie stammt aus der Zeit des Herodes Agrippa IL und berichtet von einem hochgestellten Mann, der eine Priesterverwaltungsstelle sich erschlichen hatte und! nun auf alle; mögliche Weise ungeheure Reichtümer, dreihundert Talente Silbers, zusammenscharrte, teils aus dem Tempelgut, teils auf Kosten von Privatleuten, bis endlich der König einschritt und den Mann zur Rückgabe des Raubes zwang. Die Inschrift ward bei Yabrud in der Nähe• von Baalbek gefunden. Die Schandtaten des syrischen Verre» — sein Name ist wahrscheinlich Sampsigeramos, während eiin Helfershelfer Lysanios zu heissen scheint — wurden zum abschreckenden Beispiele in Stein gehauen und bild'en nun einen sehr wertvollen Betrag zur palästinensischen Kulturgeschichte in der Zeit Christ«. Archäologische Forschungen in Palästina Der Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Dr. E. Sellin hat der Wiener Akademie der Wissenschaften jetzt eine umfangreiche Studie über das Gesamtergebnis seiner Forschungsgrabungen in; Palästina überreicht, welche er mit Subvention der Wiener Akadetnie und des Unterrichtsministeriums zur Ausführung bringen) konnte. Die Funde, welche bei der Burg des kanaanitischen Fürsten Gscihtarwgschur gemacht wurden, bringen eine Geschichte der Keramik in Palästina zur Veranschaulichung. Auch für die Kultur- und Religionsgeschichte sind wertvolle Beiträge hinzugekommen. und. zwar durch die Aufdeckung eines spätkanaanitischen Hauses, das allen Ausräubungen entgangen war. Hier lagen neben Geräten dies täglichen Lebens die Leichen einer Mutter mit ihren fünf Kindern und der Schmuck, der zum grössten Teil aus Gold bestand, und komplett erhalten ist. Es ist der erste, der bis jetzt in Palästina gefunden wurde. Für die Religionsgeschichte von Wichtigkeit ist der Fund