Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 14 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- Seite 112 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 14 112 LITERATURBLATT das Jahrbuch du der Anlage und Ausarbeitung durchweg als eine ausserordentliche Verbesserung gegen frühere Jahrgänge .anzusehen. Nur hätten wir am zweiten Teile, der das Vereinswesen betrifft, eine grosse Reihe von Wünschen, die hier nicht im einzelnen aufzuzählen wären•. Bei dein Deutschland umfassenden Vereinen müsste vor allem der Verband Esra mit seinen! Ortsvere.nen einen Platz finden*, während nur einige wenige als Sondervereine auf geführt sind.! Ebenso sollten hier die Zweiggruppen der zionistischen Vereine aufgezä'hlt ,werden.. Beim B. J. C.!fettHf^der grosse Charlottenburger Verein Jüdischer Studenten und der z. Z. suspendierte V. J. St. Leipzig. Trotz dieser und1 ähnlicher Mängel ist aber auch dieser Teil eine sehr wesentliche Verbesserung gegen die, früheren Jahrgänge. Das Bureau für Statistik der Juden hat sich hiermit ein neues Verdienst׳ um jede organisatorische jüdische Arbeit in Deutschland! enworben. H. L. Jesus. Ein Roman von Pienre Nahor (Emillie Lerau) Autorisierte Uebersetzung aus d. Franz. Von Walther Bloch. Berlin W. 35: B. Behr 1905. (XXVI, 304 S.) 8. Der Rationalismus, der Vernunftgründe für das beibringen will, was inan selbst nicht glaubt und sich doch gern Vorreden möchte, kehrt immer wieder, wenn ein Glaube nicht mehr gleichen Schritt mit dem Wissch halten kann. Als die griechische Mythologie ihr letztes Stündchen schlagen zu hören glaubte, erklärte der Kyreinaiker Eiuemeros die ganze Götterwelt aus! der Vergottung uiid ,Vergc!ttü;cih׳ng grosser! Menschen. Freilich hat dann diese Religion in ihrem Hauptbestande den Euemeros noch um mehr als ein halbes Jahrtausend überdauert. Aber der erste Beweis für das Dasein eines Gottes war gewiss hervorgegangen aus dem erstem oder vielleicht nicht mehr ersten Zweifel an der Existenz Gottes. In diesem Sinne wirkte auf uns die Lektüre des Nahorsehen Buches Jesus, das in der Form eines ׳ Romanes die Geschichte Jesu menschlich nahe bringen, will und den unbefangenen Leser auf die Zweifel hinweist, die! die Verfasserin sich seihst ausreden möchte. Trotz des glänzenden Erzählertalentes der Dame gelingt es ihr nicht, den Leser in ihre Gedankenwelt zu zielen. Überall ruft sie den Widerspruch hervor: ״So ist es sicherlieh nicht gewesen”. Das Buch ist unhistorisch, verkennt die jüdische Gedankenwelt in der Zeit des entstehenden Christentums und verkeimt vor allem die Psychologie eines Mannes, der aus der Klasse der Ungebildeten in Galiläa (hervorgegangen sein muss.. Die Landesschilderungen machen auf Leute, die wie Rezensent Jahre ihres Lebens in Palästina zugebrachit haben und das Land in allen Richtungen und zu allen Jahreszeiten durchstreift haben, einen zu fremden Eindruck, Kurzum das Buch, verfehlt seihen Zweck. Es ist sehr schade, dass die Verfasserin ihr unzweifelhaft grosses Talent an einen Stoff gewagt hat, dem sie doch nicht gewachsen war. Man soll historischen Fragen nicht mit religiösem Zweifel beizukommen suchen. Aber man sollte den jüdischen Dichter Jesus endlich einmal literarhistorisch vorstellen. Und das ohne alles dogmatische und nationalis.tische Beiwerk, nicht als Roman, sondern historisch-literarisch und in wissenschaftlicher ,Exaktheit. H. R ü be-ndorfe r. Briefkasten B. K- L, Die ausführliche Geschichte des Zionismus, von der die erste Periode d'.er Vorgeschichte bereits im LITERATURBLATT begonnen wurde, wird demnächst fortgesetzt werden.