Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 14 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ Jahrg. X. No. 39 Herausgegeben von Dr. Heinrich loeve. ׳p Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 14. Berlin, den 29. Ellül 5665 —29. September 1905 Jahrg. 1. Das Wesen des Judentums Bücherbe s.prechu 11 gen von Elias Auerbach. (Schluss.) Was ist d'as ״Wesen des Judentums”? Diese Frage hat Bäck beantworten wollen -- und er schrieb eine Religioms- und Pflichtenlehre. Das ist der Hauptfehler in der ganzen Fundamentierung des Werkes, freilieh weniger ein Fehler des Venfassers. als der ganzen modernen ״liberalen” Anschauung im Judentum. Es gehört zum Grunddogma diieser Anschauuug. dass das Judentum nur eine Religion ist. Diese Anschauung, die am weitesten von der alten Nationalreligion Israels entfernt und fast bis zur Unkenntlichkeit verallgemeinert und christianisiiert ist. will im Judentum nur die Religion sehen. Freilich hat sie im Lager ihrer Antipoden, der ״Orthodoxen”, hierin eifrige Bundesgenossen. Und unsere Aufgabe ׳muss es sein, beiden gleich entschieden entgegenizutretem und einer dritten Anschauung vom Judentum, wie sie lichtvoll Moses Hess durchgeführt hat, zum Siege zu verhelfen: der!nationalen. Jüdische Religion und Judentum ist nicht dasselbe. Judentum!ist der Inbegriff einer grossen, umfassenden Kultur, deren literarische Denkmäler schon im Altertum sich über ein Jahrtausend verteilen. Dass in dieser jüdischen Kultur die Religion eine gewaltige Rolle spielt, weiss jedes Kind. Aber es ist eine ungeheure Einseitigkeit, alle Erscheinungen des jüdischen Geisteslebens unter dein Begriff der Religion zwingen zu wollen. Beii vielen Völkern des Altertums durchdrang d(e Religion alle Gebiete des Lebens, ohne dass man doch ein Recht hat, sie für das freibende Motiv aller Dinge, auszugeben• Das reifste Kind des griechischem Geistes, die Kunst, tummelte sich gleichfalls im Garten der Religion, fast dlie ganze griechische Kunst ist ״religiös’'’. Aber deswegen ist doch die künstlerische Anlage das Primäre und Schöpferische im Griechentum. Die Gesamtheit d:er jüdischen Kultur lässt sich nicht in dien einein Begriff Religiion zusamupemassein. Uns will sogar scheinen, dass damit nicht das Ursprünglichste und Eigenartigste des jüdischen Geistes bezeichnet ist.