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Jüdische Rundschau · 1905-09-15 · 13 (15.9.1905) · p. Seite 103

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
13 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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No. 13 LITERATURBLATT 103 und sozialistische Blätter über seine Kongresse zusammengelogen haben. Das sollte nun einem Manne, wie Leo Berg, nicht genügen. Er sollte auch hiebt dabei stehen bleiben, sein Wissen von Juden und Judentum mit dem abzuschliessen. was die Unwissenheit irgend eines ■ehemaligen russischen Juden in der ZUKUNFT Harden-Witkowskys zusammenerbaut oder an anderem, Berg vielleicht nicht zu!fernstehendem Orte ablagerf. Er misskeimt die Kraft des Judenvolkes, die geistige wie die körperliche' vollständig. Aber der eigentliche Untergrund seiner Verkennung der Juden und des Judentums liegt noch ganz wo anders. Er kann sich! nämlich von dem Hokuspokus der Mission des Judentums ebensowenig freimachen, wie die Nachbeter der Reformrabbiner, die sie aus abgelegten geschichtsphilosoph'ischen Gedanken vom Anfänge des neunizelhrijen Jahrhunderts zusammengebraut haben. Diese Mission des Judentums, efie schon manchen hellen Kopf verdunkelt hat, hat es auch Berg angetan., Natürlich hat er sie sc umgebaut, wie es ihm in seine sonstige gar nicht neurabbinische Weltanschauung!hi nein passt. Aber wenn Flerr Berg wirklich historische und gar ökonomisch-historische^ Betrachtungen anzustellen weiss, so sollte er doch zu allererst einmal mit dem Aberglauben an die ״Mission unw Geschichtsauifgabe von Völkern“ aufräumen. Er macht zur Aufgabe der Juden dass sie den ״Staat überwinden mögen, der die höchste Form menschlicher Gesellschaft nicht sein“. Nein, Herr Berg, die Juden haben diese Aufgabe nicht, sie hüben auch nicht die Aufgabe, das Christentum durch den Atheismus abzulösen, wie einmal eiin jetzt fromm-reformerisch amtierender Rabbiner als Student in einem Vortrage ausiführte. Sie haben überhaupt keine Aufgabe, als sich selbst als Nation zu erhalten und für ihre Nation einen Platz an der Sonne zu erkämpfen. Was man so Aufgabe der Nationen nennt, kann kein Prophet Voraussagen, auch nicht Leo Berg,' denn das ist immer nur eine! nachträgliche Abstraktion späterer Geschlechter, d!ie ihre eigenen Gedanken in die Geschichte der Völkerhineintragen. Zum Schluss werden wir es nicht bedauern, wenn das Buch trotz seiner absonderlichen Anschauung vom Asiatentum der Juden und vom Kampfe gegen die gelbe Rasse recht viele Leser findet. E 1 j ä q i m, Mathias Acher: Das Stiefkind der Sozialdemokratie. Wien: C. W. Stern 1905. 31 S. 8°. Preis 50 Heller 50 Pfennig. Birnbaum, der in seiner SELBST-EMANZIPATION mit den Grund geiegt hat eine politische zionistische Partei in Westeuropa aufzubauen, verfolgt seit langem andere Wege, Vielleicht ist er doch nicht die kraftvolle Person, die dazu gehört, Spintisierereien und Nebensächlichkeiten hinter dem grossen Willensakt eines Volkes zurücktreten zu lassen. Aber alles, was er schreibt, ist interessant und geistvoll. Er verfolgt seine eigenen Wege, die sich mit den unsrigen nicht kreuzen. Er körn ין ft in der Sozialdemokratie für die Anerkennung einer jüdischen Nation. Das ist ein böser Irrtum, Er vergisst nämlich das Hauptmoment in Rechnung zu ziehen, das die Juden zur Sozialdemokratie führt. Sie wollen dort Vergessen, dass sie der jüdischen Nation angehören. Darum werden in der marxistischen Partei stets d i e Juden die Oberhand behalten, in deren Interesse es liegt, die Existenz einer jüdischen Nation zu leugnen. Mathias Acher.’ der auch in der vorliegenden Arbeit interessant, originell und Wertvolles schreibt, sollte nicht dem Marxismus den ausschliesslicher! Wert .beimessen und lieber, wenn.es durchaus Sozialismus se׳n muss, der Henry Geörgesclyen Bodenreformoartei nähertreten״ von der . aus gerade die Anerkennung der Juden als Nation mit nationalen Rechten viel kiichter zu erwarten isOals von ein;r Partei, die von ihren ökonomischen und judentumsHndh'chen Dogmen nicht abg.ehdn wird. H. S.

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