Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 12 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8295971-9045908-8207453--115-8189765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 LITERATURBLATT No. 12 sie gründen konnte, bleibt dahingestellt. Steher würden sie unter dem Pharao der josephinischen Zeit Ägypten notwendigenfalls ebenso tapfer verieidigt haben, wie seine übrigen Untertanen. Kanaan, das Philisterland (Palästina), ist sicher nicht ihr Vaterland ge»- wesen; und welches zivilisierte Land׳ kann sich überhaupt rühmen, zweifellos noch seine Urbevölkerung und insbesondere in ihr die massgebende, die herrschende Klasse zu besitzen? Nur Reste der ursprünglichen Bevölkerung sollen z. B. in Irland, in der Bretagne, im׳ Baskenlande etc. auch nach der Völkerwanderung geblieben sein. Die Fürsten gerade ge.- hören besonders häufig einer anderen Nationalität an als der ihres Volkes, und man wird ihnen trotzdem einen Mangel an Patriotismus nicht vorwerfen. Wt'nn auch das Haus Wettin, die Koburger, nicht, wie der Fürst von Bulgarien in einer Rede einmal versicherte, aus altem slawischem Blute .׳stammten׳ und immer gut slavisch gesinnt gewesen wären, so würde dies;seiner Liebe zu den neuen Landsleuten keinen!Eintrag tun. Moltke, de■* Prinz Eugen und soviele andere haben dem Lande, dem sie ihre Dienste widemeten, gegenüber sich als wahre Patrioten erwiesen, ebenso wie. seiner Zeit Itai dem Volke Israel und seinem Könige David. Dieser selbe Autor, der nichts weiss vom ״Geloten1 Lande“, der das Jüdische Volk losreisse'n will1 von dem angestammten Boden, tut das keineswielgs aus jener Abneigung gegen alle Religion und gegen alles überlieferte 'Wesen, wie sein vorher erwähnter ugandistischer Gesinnungsgenosse, .׳sondern in demselben Zusammenhang, in dem er ״gewisse grundlegende Einrichtungen des ehemaligen Staates, Sklaverei, Polygamie, Opferkultus“ wieder aufleben lassen will. Hier haben wir den orthodoxen Territorialismus. Er steht dem Zionismus und dem nationalen Wesen des Judentums -ebenso;fern, wie jener Mann, der Palästina hasst, weil es der Träger jüdisch-historischer Überlieferungen ist. Nur ist er verworrener und unklarer, als sein freigeisitiger politischer Gesinnungsfreund. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn der Mann mit diesem originellen Standpunkt auch mit seinem originalen Namen hervorgetreten wäre. E 1 j ä q I m, Kalendlar für Israeliten. (לוה) für das Jahr 5666 (1905/06 ( תרס״ו. Zugleich Führer durch die israelitischen Kulltusgeme'inden der östereichiischungarischen Monarchie. Hrsg, vom Verein ״Österreichisch-Israelitische Union“ in Wich. Jg. XIV. Wien: Österreiichisch-Israel'itiche Union; 1905. 475 S. kl. 8 °. Preis geb. lt60 Kr. Der neue Jahrgang des von der ״Österreichisch-Israelitischen Union“ ’herausgegebenen ״Kalender für Israeliten“, der soeben erschienen ist, weist wesentliche Verbesserungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die grösste Sorgfalt gewidmet und im schemafischen.Teile war man bemüht, die möglichste Vollständigkeit und Aktualität der Daten, be- 'treffend die österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden, ihre Vorstehungen, Funktionäre und rituellen Institutionen, zu erreichen. Ebenso wurde auch diesmal dem jüdischen Vereinswesen die grösste Aufmerksamkeit zugewendet. Das Verzeichnis aller in Österreich erscheinenden jüdischen Zeitungen, deren 23 aufgeführt werden, wurde vervollständigt. Die Angaben über die Zionistisehe Partei hätten der Revision bedurft. Der literarische Teil bringt eine interessante Studie über den Zusammenhang der jüdischen Monatsnamen mit religiösen Vorstellungen aus der Feder des Talmudisten Lerrpökl Mandl, lierner eine spannende Erzählung aus dem jüdischen Auswandererelend vor! Julius Up rimny. dem neuen Redakteur der WELT. Die handliche Form u'nd die elegante Ausstattung des Kajenders werden auch diesmal gewiss volle Anerkennung finden. Der billige Preis (1,60 Kr.) ermöglicht auch den!Minderbemittelten die Anschaffung.