Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 12 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 12 LITERATURBLATT 93 Noah, dem neuen Richter in Israel, erlassenen ausführlichen Programm. Herr Noah trug ein langes Gewand von karmoisinrotem Seiidenzeug mH Hermel/in ausgeschlagen und reich mit Gold verziert. Bei Ankunft dies Zuges an de/r Kirchentüre traten die rechts und links aufgestellten Truppen zurück, und der Musikchor blies beim' Eintritt der Prozession im die Kirche den grossen Marsch aus Händels „Judas Makkabäus“. Hierauf vernahm man den Klang der volltönenden Orgel, und das Jubilate wurde angestammt; auf dem Tische der‘Kirche lag der Grundstein der neuem Stadt mit folgender hebräischer Inschrift: „Höre, Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist einig. Ararat, die Zuflucht der hebräischen Nation, gegründet vom Mordechai Manuel Noah im Monat Tischri 5586 (September 1825) im 50. Jahre der amerikanischen Unabhängigkeit.“ Auf demselben; Tische standen Gejfässe von Silber, worin sich Wein, Getreide und Öl befand. Nach diesen und anderen Feierlichkeiten erklärte der Präsident Noah die jüdische Nation für konstituiert. (Fortsetzung folgt.) , Das Wesen des Judentums Bücherbesprechungen, von Elias Auerbach. (Fortsetzung). Zur Kenzeichnung des allgemeinen Standpunktes, den Bäck einnimmt, und der Methode, die er in der Darstellung der jüdischen Lehre befolgt, genügt es, sich an einige Grundfragen zu halten. Es ist seit Mendelsohn ein oft gebrauchtes Wort, dass das Judentum keine' Dogmen hat. Aber es darf ruhig gesagt werden, dass diese Behauptung eine tendenziöse Lehre des liberalen und reformierenden Judentums ist. Unsere alten Theoretiker, selbst der rationalistische Mai monl des, waren weit von dieser Meinung .entfernt, und! gerade (Maimonides hat ja jene berühmten 13 Glaubenssätze auligestellt, die in der Tat die wesentlichen dogmatischen Resultate der jüdischen Religion darstellen. Eine Religion ohne Glaubenssätze ist ein Unding; nach der äussersten Reduktion der Glaubenslehren müssen stets noch wenigstens einige Säulen stehen bleiben: Gott Freiheit, Unsterblichkeit und Offenbarung. Bäck gehört zu den Theologen, die diesen Begriffen möglichst alles Mystische nehmen wollen, um sie uns „natürlicher“ zu machen. Der wichtigstes religiöse Begriff ist eigentlich der der Offenbarung; denn ergibt den Schriften, auf die sich das ganze religiöse Gebäude stützt., die apodiktische Autorität, die sie brauchen. Wir wollen hier nicht über die Offenbarung, die göttliche oder menschliche Natur der Bibel und die Stellung zur historsichen Kritik der Bibel rechten: wogegen wir uns aber wenden müssen, das ist der seichte Rationalismus, mit dem auch bei Bäck allediese prinzipiellen Fragen umgangen werden. Wenn er unter Offenbarung